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30. Spieltag der Serie A

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Inzaghis Job ist in Gefahr, Maxime Lopez spielt überragend und Strefezza trägt Lecce auf seinen Schultern – Am 30. Spieltag der Serie A gab es so einige Überraschungen.

Milan, Inter, Napoli und Juventus lassen Punkte liegen, während die Römer Klubs die einzigen beiden Teams sind, die dieses Wochenende mehr als ein Tor erzielten und damit ihren Vorsprung im Rennen um die Champions League-Plätze vergrößern.

Bologna und Fiorentina sind weiterhin in bestechender Form, Cremonese kann plötzlich Spiele gewinnen und auch die restlichen Teams im Abstiegskampf punkten. 

In diesem Artikel erläutert Alex 3 Schlussfolgerungen von diesem Spieltag.

Inzaghis Zeit wird knapp

Nach dem guten Auftritt gegen Benfica unter der Woche im Champions League Viertelfinale sieht es in der Liga für Inter Mailand ganz anders aus. Die Statistik in der Liga vor dem 30. Spieltag: 4 Spiele in Folge ohne Sieg, 3 davon verlor man, unter anderem gegen die im Abstiegskampf steckenden Spezia und Salernitana. Am Samstag folgte das nächste sieglose Spiel, zuhause vor knapp 75 000 Zuschauern musste Simone Inzaghis Mannschaft sogar die nächste Niederlage einstecken, diesmal gegen Aufsteiger Monza.

Das größte Problem von Inter in den letzten Spielen war eindeutig die Chancenverwertung. Die Mailänder hatten beim 1:1 gegen Salerno 3.98 xG, bei der 2:1 Niederlage in Spezia sogar 3.47 xG und in der 0:1 Pleite zu Hause gegen Fiorentina konnte man trotz 3.14 xG kein einziges Tor erzielen. Auch letzten Samstag konnte Inter bei 1.89 xG wieder kein Tor erzielen. Wichtig dabei ist aber der Kontext, die knapp 2 erwarteten Tore summierten sich aus insgesamt 25 Schüssen, wovon man nur einen einzigen als Großchance betiteln konnte. Das Problem gegen Monza war also nicht nur die fehlende Verwertung der Chancen, sondern vielmehr das Herausspielen dieser.

Der Spielplan von Monza-Trainer, Raffaele Palladino, war es Inter den Ball zu überlassen. Monza gilt unter ihm zwar allgemein nicht als eine sehr aggressiv pressende Mannschaft, jedoch ließ er in diesem Spiel nur sehr selten und situativ pressen. Monza hatte eine Field Tilt von knapp 20% und ließ pro defensiver Aktion im Durchschnitt über 17 Pässe zu. Dadurch, dass Inters Innenverteidiger im Aufbauspiel nicht angepresst wurden, befand sich Monza in der letzten und vorletzten Linie nie in Unter- sondern meist sogar in Überzahl. Inters Mittelfeld wurde manngedeckt und befand sich entweder teilweise im cover shadow von Monzas Doppelspitze oder in Unterzahl, weil Colpani sich zurückfallen ließ. Das führte dazu, dass Mailand fast nie die Mitte bespielen konnte und von Monza immer nach außen gedrängt wurde.

Monzas 3-5-2 Struktur gegen den Ball
Monzas 3-5-2 Struktur gegen den Ball

Lange Bälle über die letzte Kette oder Flanken von den Schienenspielern und aus dem Halbfeld waren oft zu ungenau oder wurden gut verteidigt. Die Unterzahlsituationen in Monzas Hälfte probierte Inzaghis Mannschaft durch Läufe der Innenverteidiger bis in das letzte Angriffsdrittel zu egalisieren. Dadurch, dass Monza jedoch so tief stand, konnte man trotzdem nie so wirklich Überzahl in den gefährlichen Zonen erzeugen. Inters Spiel war zu statisch, die Abstände waren zu groß und auf ein paar Positionen fehlt es auch einfach an Qualität oder Konstanz. Die Stürmer der Mailänder sind in der Liga seit Wochen auf einer Durststrecke, Barella ist die einzige Konstante im Mittelfeld und auch die “Wingbacks” Dumfries und Gosens spielen diese Saison weit unter ihren Erwartungen. Inzaghi schafft es national nicht einmal annähernd, das volle Potenzial aus seinem Kader rauszuholen.

Ohne Ball probierten die „Nerazzurri“ Monza in ihrem 5+2 Spielaufbau Mann zu Mann hoch zu pressen, der mitspielende Tormann sorgte dafür, dass Monza in der ersten Linie ein Mann mehr war, wodurch Inters Pressing nicht wirklich effektiv war. Palladinos Mannschaft ist außerdem bekannt dafür, sehr mutig und erfolgreich kurz und flach herauszuspielen, wodurch Inter nur wenige hohe Ballgewinne erzwingen konnte. Monza’s Spiel mit Ball basiert auf positional play, die Spieler rotieren pausenlos, bilden dadurch ständig Dreiecke womit sie mit guten Kombinationen oft die Mitte freispielen und sich so vom Pressing befreien. War das erreicht, riskierte Monza aber oft zu wenig am Weg in Richtung Inters Tor, wodurch sie selbst auch nur selten gefährlich wurden.

Der Spielplan von Inzaghi war einfach nicht gut genug, seine Mannschaft war nicht in der Lage, sich gegen ein tiefstehendes Monza gute Möglichkeiten zu kreieren. Das Wichtigste aber, sie gerieten durch einen schlecht verteidigten Standard sogar noch in Rückstand und schenkten weitere 3 Punkte im Rennen um die CL-Plätze her. Inzaghis Situation ist mit dem Spiel weiterhin wacklig. Der Druck nimmt weiter zu. Ein Verpassen der Top 4 könnte wahrscheinlich nur ein tiefer Lauf in der Champions League wieder gut machen.

Maxime Lopez ist Sassuolos „light“ Lobotka

Maxime selbst sieht den Slowaken als den Spieler, der ihm vom Spielstil, aber auch vom Körperbau am ähnlichsten ist. Der knapp 1.70m große Sechser von Sassuolo brillierte beim Heimsieg gegen Juventus Turin. In Alessio Dionisis 4-3-3 System spielt er eine sehr ähnliche Rolle wie Lobotka unter Spalletti. Über ihn baut Sassuolo das Spiel auf, er ist das Gehirn, er lenkt das Spiel, deswegen ist er derjenige mit den meisten Ballberührungen und den meisten (progressiven) Pässen.

(Maxime Lopez' Rolle im Aufbauspiel von Sassuolo)
Die Rolle von Maxime Lopez im Aufbauspiel (Bildquelle: Wyscout)

Mit 62 Pässen hatte er nicht nur die meisten Pässe am Platz, sondern mit 95,2% auch die beste Quote. Niemand am Feld spielte so viele genaue lange Bälle wie Maxime, er bekam jeden seiner neun Pässe, die über 27 Meter gingen, zu einem Mitspieler. Auch 11 Pässe in das letzte Drittel waren der Topwert aller Spielern am Feld und nur Angel Di Maria spielte mehr Pässe in den Strafraum. Sein Spielverständnis ist auf einem enorm hohen Level, er scanned zu jeder freien Sekunde seine Umgebung und weiß dadurch 90 Minuten lang, wo sich seine Mit- und Gegenspieler befinden.

Defensiv war Lopez jedoch nicht immer fehlerfrei, er gewann keinen seiner 4 Bodenzweikämpfe, ein Problem mit dem der schmächtige 6er schon länger zu kämpfen hat. 

Abgesehen davon, dass er gegen dieses ungefährliche Juventus Team defensiv nicht viele Aufgaben hatte, liegen seine Stärken in der Defensive sowieso darin, das Spiel zu lesen und dadurch einen Schritt schneller zu sein als seine Gegner. Eines ist klar, 2 Millionen Ablöse für diesen Mann waren, wie so oft, unglaublich starkes Business von Sassuolo. 

Ohne Strefezza steigt Lecce ab

Als Sonntagmittag Sampdoria bei Lecce zu Gast war, lautete das Motto „Abstiegskampf pur“ in Süditalien. Während Sampdoria sich nach der Heimniederlage im letzten Spiel und dem Cremonese Sieg über Empoli am Freitag auf dem letzten Platz wiederfindet, sorgt auch Lecces schlechte Form für Sorgen unter den „Giallorossi“. Lecce hatte nämlich aus den letzten 6 Spielen eine sehr magere Ausbeute von 6 Niederlagen und nur einem erzielten Tor.

Gabriel Strefezza ist Lecces Hoffnung in der Offensive höchstpersönlich und lieferte in dieser Partie eine absolute Masterclass. Nachdem er gegen Napoli 80 Minuten lang auf der Bank sitzen musste, startete Marco Baroni seinen Flügelstar am Sonntag wieder von Beginn an. Abgesehen von seinem Assist zum 1:0 kreierte der Brasilianer 8 Chancen, wovon 3 sogar Großchancen waren. Kein Spieler in der Liga hatte diese Saison in einem Spiel mehr Schlüsselpässe (8) oder herausgespielte Großchancen. Außerdem legte er 12 Schüsse vor und hatte die weiteste progressive Ballführungsdistanz. In diesem Spiel zeigte der 26-jährige nach ein paar durchwachsenen Spielen wieder, wozu er fähig ist.

(Eine der herausgespielten Großchancen von Strefezza)
Eine der wunderschön herausgespielten Großchancen von Strefezza (Bildquelle: Wyscout)

Lecce hat ein großes Offensivproblem. Kein Team in der höchsten italienischen Spielklasse hat über diese Saison weniger erwartete Tore als der Aufsteiger. Auch bei den erzielten Toren gibt es nur vier Teams, die statistisch schlechter dastehen als das Team aus Süditalien. Auch spielerisch gibt der Fußball den Marco Baroni spielen lässt sehr wenig her, es wird selten spielerisch probiert das Spiel aufzubauen, sondern meist ist der lange Ball die Lösung. Man spielt die zweit wenigsten Pässe der Liga und zeitgleich befindet man sich in der Top 5 für versuchte lange Bälle. Strefezza ist fähig diese zu kontrollieren, sich in den oft entstehenden Unterzahlsituationen dank seinen Dribblingfähigkeiten durchzusetzen und Spiele alleine zu entscheiden. Mit 7 Toren und 2 Vorlagen führt er die Scorerliste von Lecce an, dazu kommen 32 Keypässe und 76 Shot-creating-actions. Wenn er performt, performt das ganze Team, er ist offensiv der Schlüsselspieler für diese Mannschaft und die Versicherung für den Klassenerhalt.

Wenn ihr noch Fragen habt, sprecht uns gerne an.

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