StartAnalysenSeoanes Borussia: das neue Mittelmaß - Analyse der Hinrunde 23/24

Seoanes Borussia: das neue Mittelmaß – Analyse der Hinrunde 23/24

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Mit 17 Punkten und damit Platz 12 nach 16 Spielen verlief Gladbachs Saison bislang ziemlich durchschnittlich. In dieser Analyse von Alex (@alexscr1899) wird aufgezeigt, wie Gladbach spielt, was gut funktioniert und woran man arbeiten muss. 

Spielphase mit Ball

Die Fohlen bauen unter Seoane in einem 4+1 oder 5+1 (+Torhüter) auf. Das sorgt dafür, dass sie das Zentrum so gut wie nie progressiv bespielen. Die gegnerische Mannschaft “boxt” Weigl ein, sodass er nicht anspielbar ist, oder nur Wandpässe spielen kann. Situativ lässt sich der ballnahe 8er fallen – die meist beide viel zu hoch stehen – sodass dieser angespielt werden kann. Meist befindet sich in diesem Spielzug dann die Sackgasse als Endstation, weil keine weitere progressive Anspielstation verfügbar ist.

Bildquelle: Wyscout
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Diese suboptimale Besetzung des Zentrums führt dann dazu, dass Borussia entweder Weigl als Wandspieler nutzt – was gefundenes Fressen für aggressives Pressing des Gegners bedeutet, da der Sechser in numerischer Unterzahl den Ball bekommt, oder wenn er den Ball klatschen lässt, kann es dazu führen, dass die Innenverteidiger unter Druck geraten. So entstanden diese Saison viele gefährliche, gegnerische Aktionen und schlussendlich auch Gegentore, wie gegen Union Berlin.

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Gladbachs Ballverlust vor Unions Treffer; Bildquelle: Wyscout

Wenn Gladbach den Weg zu Weigl nicht findet, besteht im Seoane Set-up die andere Möglichkeit lange Pässe auf die Außenspieler zu spielen. Da Gladbach Probleme damit hat, wenn Jordan fehlt, lange Bälle festzumachen, kommt darauffolgend das Problem, dass man generell auf den Außen deutlich einfacher zu pressen ist; was wiederum zu einfachen Ballverlusten, oder eben zu provozierten langen Bällen führen.

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Sie haben unter anderem Probleme damit, den Ball festzumachen, weil oft entweder die Anspielstation zum tropfen-lassen fehlt und/oder sich in numerischen Unterzahlsituationen befinden.

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Wenn Borussia Progression gelingt, dann entweder dadurch, dass ein langer Ball festgemacht & weitergespielt werden konnte oder dass sich ein 8er / Stürmer tiefer fallen lässt, einen linienbrechenden Pass erhält und aufdreht – wie Plea vor Reitz’ 1:0 in Dortmund. 

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Beispiel aus dem SGE Spiel:
Rocco Reitz lässt sich fallen und spielt einen Doppelpass mit Honorat, kann den Ball dann in den Raum tragen und den Seitenwechsel auf Hack spielen.
Diese Progression über den Flügel, mit kurzen-schnellen Kombinationen funktioniert oft sehr gut und ist abgesehen von Kontern wahrscheinlich der effektivste Weg, wie die Borussia sich aus dem Spiel Chancen erspielt. 

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Gegen den Ball

Gegen den Ball agiert Gladbach, wie auch in der Vorsaison, als ein sehr passives Team.
(Deniz analysierte das hier ebenfalls)
Mit einem PPDA Wert von 14.77 (Quelle Wyscout) hat man den „schlechtesten“ Wert der ersten Bundesliga in dieser Pressingstatistik. Das hat verschiedene Gründe:

Gladbach presst bei Abstößen oder nach Pressing-Triggers wie Rückpässen oft ziemlich intensiv und zonal. Sprich sie verschieben auf die ballnahe Seite, um diese zu überladen und den Ball zurückzugewinnen.

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Jedoch lässt sich auch das ziemlich einfach überspielen, da oft die Staffelung, die Pressingwinkel der einzelnen Spieler, die Abstände zwischen den Linien und die Zentrumbesetzung nicht gut genug sind.

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Das Pressing wirkt nicht wie ein Kollektivverhalten, zudem schieben die Innenverteidiger nicht mutig genug mit, sodass zwischen Mittelfeld und Abwehr große Zwischenräume entstehen, in denen der Gegner lange Bälle rein spielen kann.

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Ein weiterer Grund für den hohen PPDA-Wert ist, dass Gladbach, wenn sie nicht pressen, in einen sehr passiven mittel- bis tiefen 5-3-2 / 5-4-1 Block zurückfallen.

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Diese Grundordnung sorgt dafür, dass das Zentrum gut besetzt ist und der Gegner nach außen gedrängt wird.
Aber auch in diesen Phasen stimmen oft Zuteilung und Abstände nicht, sodass Spieler zwischen den Linien frei empfangbar für Pässe sind und der Gegner somit Dynamik erzeugen kann.

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In vielen Fällen, in denen Gladbachs Gegner gefährlich werden, kann man außerdem beobachten, dass trotz dem defensiven Ansatz, die Zuteilung und die Boxverteidigung nicht gut genug sind. Vor allem am zweiten Pfosten finden sich Gegenspieler des Öfteren – sogar in Überzahl – wieder.

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Unter dieser 5-3-2 Grundordnung leidet ein Spieler ganz besonders:
Franck Honorat.
Nicht nur, dass er als rechter Flügelverteidiger seine Offensivqualitäten nur begrenzt zur Geltung bringen kann (Flankenspiel), dazu kristalliert sich der 27-Jährige außerdem als eine Schwachstelle in der Arbeit gegen den Ball aus.
Themen, wie: Wahrnehmung seiner Umgebung / Position seines Gegenspielers sind Dinge, die wiederum zur Folge haben, dass Honorat oftmals eine schlechte Positionierung hat. Dazu kommt, dass dem gelernten Flügelspieler einfach auch Qualität im defensiven 1vs1-Zweikampf fehlt.

(Hier lässt Honorat Gegenspieler Gittens vor seiner Vorlage völlig aus den Augen); Bildquelle: Wyscout

Fazit: Gladbach – das neue Mittelmaß

Gladbach spielt diese Saison ähnlich guten Fußball, wie es die Tabelle aufzeigt:
maixmal durchschnittlich.
Das sehr direkte Spiel über die Außen und generelle Kontersituationen funktionieren zwar öfter gut; ist aber in der Gesamtanlage zu eindimensional und für den Gegner schlichtweg zu einfach zu verteidigen.

Wobei ich im Ballbesitz von Seoane bessere Lösungen erwarte, kann der passive Aspekt defensiv auch mit den fehlenden Spielerprofilen zusammenhängen.
Trotzdem erwarte ich auch hier eine Steigerung. Aggressiver, mutiger und höher pressen, vor allem mehr hohe Ballgewinne erzwingen, muss das Ziel der Borussia in der Rückrunde lauten.

Eine Analyse von Alex (@alexscr1899).

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