StartAnalysenHoffenheims diagonaler Raum vs. Kölns Flügeldurchbrüche

Hoffenheims diagonaler Raum vs. Kölns Flügeldurchbrüche

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Die TSG verliert nach zuletzt drei Siegen in Folge und dem Remis in München, und musste nun die bereits sechste Niederlage unter Cheftrainer Matarazzo hinnehmen.
Der FC hingegen baut seine Serie aus und gewinnt das zweite Auswärtsspiel in Folge und ist dabei seit vier Spielen ungeschlagen!

Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum).

Grundordnungen beider Teams

Quelle: sofacore.com

Bei der TSG baute Akpoguma links, Brooks zentral, Vogt rechts auf. Dabei ist ein Fokus auf der linken Angriffsseite zu erkennen:
Angelino als linker Flügelverteidiger und Akpoguma als linker seitlicher Verteidiger standen tiefer als ihre Gegenseite, die mit Vogt und Kaderabek besetzt wurde. Letzterer stand dabei mit Bebou in einer und der letzten Linie. Im Zentrum positionierten sich dann Geiger, Becker, Baumgartner und Kramaric.

Quelle: sofascore.com

Bei der Elf von Steffen Baumgart erkennt man, wie symmetrisch die 2-4 Struktur in den ersten zwei Linien aufgebaut war: Die Außenverteidiger Hector und Schmitz standen in einer horizontalen Linie mit den Sechsern Martel und Skhiri.
Im letzten Block wird deutlich, dass Kainz und Selke in den Halbräumen ihre Teilaktionen hatten, während Ljubicic den Achter im Zentrum gab, und Maina in der letzten Linie die Tiefe bedrohte.

Matarazzos lange Bälle vs. Baumgarts Pressing- und Defensivverhalten

Die TSG eröffnete ihr Spiel aus einer 3-1 Struktur, in dieser Akpoguma, Brooks und Vogt von links nach rechts positioniert wurden.
Köln agierte gegen die Staffelung, sowie Kramaric und Becker in den Halbräumen, typisch vertikal-pressend und mannorientiert.
Im 4-2-3-1 pressten die Flügelspieler Ljubicic und Maina die beiden seitlichen Verteidiger der 3er-Kette, während Selke Brooks im Zentrum anlief. Kainz, Martel und Skhiri verhielten sich mannorientiert dahinter. 

Bildquelle: Wyscout


Als die TSG auf den Flügelzonen ankam, rückten die ballfernen Spieler, wie Rechtsverteidiger Schmitz und Sechser Skhiri in die Kette ein, bzw. schoben auf Ballseite mit. Durch die Raumorientierung von Skhiri und der Überzahl in letzter Verteidigungslinie, erzeugte der FC in lokalen Zonen 5 vs. 3-Überzahlsituationen.

Bildquelle: Wyscout

Im Mittelfeld bildete sich häufig das Pärchen Kramaric und Becker auf den Achter-Positionen. Die TSG fand dabei selten den diagonalen Raum, wenn sie auf den Flügeln isoliert wurden.
Wenn doch, konnte der FC schnell durch die Mannorientierung von Martel und Skhiris Einschieben in Dopplungen kommen.

Bildquelle: Wyscout
Bildquelle: Wyscout

Materazzos Idee ins letzte Drittel zu kommen, war relativ pragmatisch:
TSG versuchte ungewohnt oft mit vielen langen Bällen hinter die Abwehrkette zu gelangen (68 gespielte lange Bälle gegen Köln – der Durchschnitt der TSG sonst: 49 pro Spiel).
Die Gastgeber hatten einen Fokus auf ihre eigene rechte Angriffsseite in der Eröffnung. Kevin Vogt gilt als ein guter Spieleröffner. Daher stand die linke Seite mit Akpoguma und Angelino tiefer, um Köln anzulocken, während Vogt und Kaderabek höher positioniert waren. So versuchte Matarazzo Kölns 4er-Kette in der Verschiebebewegung mittels gegenläufigen Bewegungen im Zentrum der letzten Linie, Schnittstellen zwischen Chabot und Hübers zu öffnen, die meist Baumgartner attackierte.

Bildquelle: Wyscout

Die Chipbälle, die Hoffenheim durch Vogt spielen wollte, verhinderte der FC im ersten Pressingblock früh.
Ljubicic auf der defensiven linken Seite aufzustellen, war von Baumgart eine taktisch gute Entscheidung. Der Mittelfeldakteur hat die Intensität und das Verständnis für Pressingauslöser, um Vogts starken Fuß zu blocken.
Zugeben muss man in diesem Kontext auch: Die TSG hatte durch ihre Personalanzahl in letzter Linie kaum Verbindungspunkte in den Zwischenlinien, sodass die Spieleröffner dadurch “einfacher” zu pressen waren.

Angeliños flache Rolle in der Spieleröffnung und der diagonale Raum als Ziel

Versuchte die TSG in der Spieleröffnung flach zu eröffnen, war es meist die linke Seite, die präferiert wurde.
Dazu ließ sich Angeliño fallen, um gegen Kölns 3er-Reihe in erster Linie Überzahl zu schaffen. Benno Schmitz hatte in seiner Positionshöhe zu weite Pressingwege, um dauerhaften Druck auf den linken Flügelverteidiger ausüben zu können.

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Der diagonale Raum, den die TSG forcierte, wurde von Matarazzo clever frei gezogen:
Geiger band im Zentrum Kainz, gleichzeitig bewegten sich die Achter Becker und Kramaric gegensätzlich:
Letzter ließ sich in den Raum zwischen Skhiri und Martel fallen, den Becker durch sein weiträumiges Verhalten öffnet.

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Köln hatte in Folge damit zu kämpfen, ihre Abstände kompakt zu halten. So öffnete sich für Angeliño das Passfenster, um direkt in die Schnittstelle der beiden Kölner Innenverteidiger zu spielen.
Der FC hatte in dieser Phase Glück, dass die TSG aus ihren (Überzahl-) Situationen im letzten Drittel zu wenig Ertrag erzielen konnte.

Bildquelle: Wyscout
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Kölns 4-2-3-1 im Ballbesitz und dessen Rautenbildung am Flügel

Baumgart hat in der Struktur im Spiel mit dem Ball kaum etwas verändert. Die Innenverteidiger fächerten im Ballbesitz breit auf; stellten mit Schwäbe, Skhiri und Martel, sowie den beiden Außenverteidigern eine 3-4 Struktur her. Kainz und Ljubicic agierten flexibel in dritter Linie, während Maina und Selke in letzter Linie ein Pärchen bildeten.

Bildquelle: Wyscout

Die TSG versuchte aus einer 5-3-2 Staffelung heraus, mit den Stürmern auf die Außenverteidiger zu lenken und auf den Flügel mit den Achtern seitlich zu pressen. Dabei agierte Geiger als Sechser in einer tieferen Position, um Kainz oder Ljubicic zu decken.

Bildquelle: Wyscout

Die Elf von Steffen Baumgart versuchte, wie gewohnt, Durchbrüche über den Flügel zu erzielen.

Durch die Struktur und der Positionierungen der Außenverteidiger, sowie das Abkippen von Kainz, ergaben sich weiträumige Diamanten, die vertikal bespielt wurden.

Bildquelle: Wyscout
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So war es meist Ljubicic, der entweder mit Tiefgang hinter die Kette startete, oder in der Raute die “Klatsch-Option” war, um im Spielübergang auszulösen.

Bildquelle: Wyscout
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Fazit: TSG erst stärker, dann kommt Kainz

Die TSG begann stärker und in ihren Inhalten klarer. Zwar hatte das Spiel von Matarazzo einen zu starken Fokus auf das direkte Überspielen der Abwehrkette, und verlor dadurch Präsenz in den Zwischenlinien, dennoch gewann Hoffenheim zunehmend an deutlicher Spielkontrolle. Der Handelfmeter veränderte die Dynamik des Spiels:
Baumgart und seine Elf hatten erstmals Ballbesitzphasen, und welche, in denen sie ihre Durchbrüche über den Flügel erzielen konnten.
Die Effizienz in ihren Aktionen entschied dieses Spiel, als Selke aus seiner zweiten Torchance im Spiel, sein Tor per Kopf erzielen konnte.

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