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Die Borussia zu mutlos gegen Union Berlin – Eine Analyse

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Normalerweise seid ihr es von uns gewohnt, dass wir ein Spiel der Borussia auseinander nehmen, die Muster beider Teams erklären und zeigen was positiv zu erwähnen ist, aber auch den Finger in die Wunde legen.

Als die Borussia jedoch am vergangenen Sonntag um 19:30, zu bester Bundesliga Anstoßzeit die Köpenicker empfing, war das Spiel ähnlich wie das Wetter, bescheiden.
Daher versucht Marc das Spiel etwas anders zu beleuchten und aufzuzeigen, warum Borussia es kaum schaffte, Gefahr zu entwickeln und dabei ein typisches 0:0 Spiel verlor.

Die fehlende personelle Besetzung im Ballbesitz

Die Fohlen hatten gegen das traditionelle 5-3-2 der Berliner wenig Probleme in erster und zweiter Linie, da die Gäste gewohnt kompakt agierten und mehr auf das Verschieben im Mittelfeldblock als auf das Anlaufen in vorderster Linie fokussiert waren.

Quelle: WyScout

Wie im oberen Bild zu erkennen, hatte man häufig zu viele Spieler hinter dem Ball und stand in letzter Linie dadurch deutlich in Unterzahl. Mit Stindl und Neuhaus im Halbraum hatten die Fohlen wenige sehr offensiv denkende Spieler auf dem Platz und konnte nach eigentlich guten Mustern im Aufbau kaum Profit daraus schlagen.

Quelle: WyScout

Dies wurde in der zweiten Halbzeit immer dramatischer bis zu den ersten Wechseln von Daniel Farke. Die 3-1 Struktur im Aufbau gegen die Doppelspitze der Gäste ist in Ordnung; aber: warum Koné, Stindl und Neuhaus entgegenkommen müssen, bleibt ein Rätsel. Der Ballbesitz der Borussia war, wie eben bereits erwähnt, aufgrund des ausbleibenden Pressings der Gäste nicht in Gefahr.

Zu einfache Ballverluste in der Vorwärtsbewegung

Sofern Borussia den Ball eroberte oder aufbaute, schlichen sich immer wieder leichte Ballverluste ein. Koné dreht im unteren Beispiel in den besetzten Raum auf, anstatt, wie von Weigl signalisiert, zu verlagern. Koné will Weigl anspielen und Borussia verliert am eigenen Strafraum den Ballbesitz. Eins von vielen Beispielen dieser Art.

Quelle: WyScout

Zwischen den Linien zu hektisch

Quelle: WyScout

Wie oben zu sehen, konnte man im ersten Durchgang ab und an die ersten beiden Linien der Gäste gut überspielen und scheiterte dann an der Entscheidungsfindung vor der gegnerischen Fünferkette. Im Beispiel wird Neuhaus von Hofmann gut im Rücken des Sechsers von Union, Rani Khedira eingesetzt.

Quelle: WyScout

Neuhaus wollte nun jedoch sofort Hofmann via Doppelpass einsetzen, anstatt aufzudrehen und ballfern die potenzielle Überzahl mit Stindl und Bensebaini zu finden. Der Doppelpass ging schief und Borussia ließ eine gute Option liegen.

Zu kompliziert zwischen den Linien

Nicht nur hektisch, sondern auch kompliziert agierten die Fohlen immer wieder im Rücken der Köpenicker 3er-Kette im Mittelfeld. So versuchte Neuhaus via Lupfer auf Hofmann durch zu stecken (siehe Bild unten), statt die Breite über Bensebaini zu finden und so gegebenenfalls in den Rücken der Abwehr zu kommen. Letzteres schaffte die Fohlenelf kaum in dieser Partie und attackierte somit die gegnerische Box wenig bis gar nicht.

Quelle: WyScout

Diese Zwischenräume wurden jedoch zu selten gefunden

Ein großes Problem der Mannschaft von Daniel Farke war es, im Ballbesitz in Linie und 1 und 2 neben der personell nicht notwendigen Überbesetzung, immer wieder zu langsam zu spielen. So überspielte man fast nie einen Spieler, sondern nahm unnötige Stationen im Ballbesitz mit. Das im unteren Bild dargestellte Beispiel steht hierbei stellvertretend für viele Aktionen, in denen die Fohlen zu langsam und mit zu vielen Stationen agierte. Dies gab den Unionern immer wieder die Gelegenheit in Ruhe zu verschieben und Passwege zu schließen. Die freien Fenster im linienbrechenden Passspiel machten sich die Borussia während der gesamten Partie immer wieder kaputt.

Quelle: WyScout

Durch die Passivität im Ballbesitz auch Selbiges gegen den Ball gezeigt

Einige Aktionen im Spiel zeigen die Folgen aus dem passiven, mutlosen Agieren im Ballbesitz sehr gut auf. In Minute 28 waren die Fohlen trotz 4vs1-Überzahl im Zentrum zu weit weg und bekamen keinen Zugriff auf den ballführenden Spieler. Dieser kann somit unbedrängt in die Hälfte der Fohlen dribbeln und tief spielen.

Quelle: WyScout

Auch in der Folge waren die Borussen teils planlos im Positionsspiel. Koné steht im leeren Raum, Stindl gibt keinen Deckungsschatten auf den Flügelspieler der Gäste und diese können im Halbraum ihre 4vs2 Überzahl im Rücken der oben genannten Borussen über den Umweg der Breite finden.

Quelle: WyScout

Die Führung der Gäste als Folge

In Minute 60 gehen die Unioner ohne nennenswerte Großchancen bis hierhin in Führung. Am Flügel bekommt die Borussia trotz 3vs1 Überzahl keinen Zugriff auf den ballführenden Roussillon. In der Mitte lassen sich Elvedi und Itakura auf die ballführende Seite locken und Bensebaini verpasst es, durchzusichern und hinter Elvedi zu schließen.
Roussillon und Becker erkennen die Situationen und bringen Union durch genau diese Lücke in Führung.

Quelle: WyScout

Die Borussia läuft ins offene Messer

Quelle: WyScout

Wie oben im Bild zu sehen, lief die Borussia in der Folge in naive Kontersituationen. Ohne eine gute Struktur wollten sie erneut zu früh die Tiefe bespielen und gerieten in die Umschaltsituationen der Gäste. Dass Hofmann und Scally die Restverteidigung bilden und nicht etwa die Innenverteidigung Elvedi und Itakura gibt zu Denken.

Die Wechsel von Farke zeigen Wirkung

In Minute 69 wechselt Daniel Farke vierfach. Scally, Bensebaini, Neuhaus und Stindl verlassen für Lainer, Netz, Ngoumou und Pléa den Platz. In der Folge generiert die Borussia dank offensiver denkendem Personal mehr Boxbesetzung als im ersten Durchgang.

Quelle: WyScout

Dass die Fohlen hierdurch mehr Gefahr entwickelten, lässt vor allem eine Schlussfolgerung zu: Es braucht mehr offensiv denkendes Personal und mehr Flanken aus breiter Struktur.
Durch die gesteigerte Aktivität im Ballbesitz und das Anlaufen in Mann vs Mann Ordnung waren die Fohlen auch im Gegenpressing besser und gewannen mehr Bälle direkt zurück.

Quelle: WyScout

Fazit: Der Borussia fehlte größtenteils der Mut und Union gewinnt ohne überragend zu performen

Dass ein Spiel mit Unioner Beteiligung meistens eher Highlights vermissen lässt und zur Geduldsprobe wird, sollte jedem klar sein. Dass die Borussia sich diesem aber so sehr anpasste und mutlos agierte, war der Grund, warum man am Ende eine Heimniederlage hinnehmen musste. Mit 0,55 xG zu 1,33 xG (Zwei Union-Konter nach Aufrücken Omlins einberechnet) war diese Partie eher auf Kurs torloses Unentschieden unterwegs, ehe die Borussia Union einmal gefährlich werden lies. Zu wenig, um ein Bundesligaspiel zu gewinnen.

Die Borussia wird im Sommer den Kader anpassen müssen und einige Elemente mit und gegen den Ball hinzufügen müssen. Es bleibt spannend zu sehen, wie Daniel Farke und Roland Virkus die offenen Baustellen schließen werden.

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