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Gegneranalyse: SV Werder Bremen 22/23 – im Auswärtsspiel gegen den BVB

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Mit dem SV Werder Bremen wartet auf die Borussia am 8. Spieltag ein Gegner, der bislang positiv in der Liga überraschen konnte. Besonders in Auswärtsspielen gelang der Elf von Ole Werner acht Punkte in vier Spielen zu holen. Im eigenen Weserstadion hapert es mit einem Punkt aus drei Heimspielen bislang.

In der Gegneranalyse wurde das Auswärtsspiel der Hanseaten in Dortmund (2:3) gewählt, um diese zumindest gegen ein 4-2-3-1, welches den Fohlen in gewissen Zügen relativ ähneln, realitätsnah zu beleuchten.

Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum).

Aufstellungen beider Teams

Das Spiel mit dem Ball

Aufbaustrukturen

Gegen das 4-2-3-1 vom BVB, baute Bremen aus einer flachen Viererkette (Pieper als RV) und einem Sechser (Groß) in 4-1-2-3 Strukturen auf.
Die Achter Stage und Bittencourt zogen das Spiel zusätzlich breit, während die letzte Linie (Ducksch, Füllkrug und Weiser) eng gestaffelt waren.

Werders Aufbau im 4-1-2-3
  • Füllkrugs Rolle

Innenverteidiger Veljkovic, der das Aufbauspiel primär übernahm, spielt häufig lange und tiefe Bälle hinter die Kette und sucht des Öfteren den diagonalen Verlagerungsball.
Im Spiel gegen den BVB zog die Elf von Ole Werner das Spiel und somit Dortmunds Sechser (Dahoud und Bellingham) breit.
Durch die freie Spur im Zentrum, ließ sich Füllkrug aus der letzten Linie in dieses fallen.

Über die breiten Achter, konnte der SVW Füllkrug in den Schnittstelle finden, der darauffolgend aufdrehen konnte.Spieleröffnung über Füllkrug und breiten Achtern

  • Breite Achter

Die breiten Achter provozierten im Verlaufe des Spiels die Außenverteidiger des BVB (Guerreiro und Wolf), die situativ Bittencourt und Stage pressten.
Das ermöglichte Weiser in letzter Linie Tiefe in der Schnittstelle zwischen Guerreiro und Schlotterbeck, die Füllkrug entweder selbst hätte per Chipball bespielen können, respektive den Weg über Bittencourt hätte suchen können, der Weiser einsetzt.

  • Attackierende Achter

Der BVB passte sich mit Can für Dahoud (verletzungsbedingter Wechsel) an, und positionierte den Sechser zentral und raumorientiert im Sechser-Raum, um Füllkrugs Fallen zu kontrollieren.
Dies bedeute für Flügelspieler Gittens, ballnah auf Bittencourt zu verschieben, was für den SVW zur Folge hatte, dass die Verlagerungen auf die Außenverteidiger gespielt werden konnten.

Füllkrug konnte im Zwischenraum gefunden werden, der die attackierenden Läufe der Achter, aus der Tiefe in die Tiefe hinter der Kette, einsetzte.SVW „open play“

Spiel im Angriffsdrittel

In Ballbesitzphasen bauten die Gäste in 3-1-2-4 Strukturen auf, in denen Pieper zwischen der ersten und zweiten Linie pendelte, je nach Positionsspiel von Weiser. Groß, Stage und Bittencourt besetzten das Mittelfeld, während die Wingbacks Jung und Weiser, zusammen mit Ducksch und Füllkrug, die letzte Linie besetzten.

Ducksch band Wolf in der Kette innen, um die eingangs erwähnten Diagonalbälle von Veljkovic auf die Flügel (Jung) zu ermöglichen.
Sind die Bremer im Angriffsdrittel, versuchen sie im Zentrum durch Tiefenläufe die Kette des Gegners zu drücken, um den Rückraum zu öffnen.
So versucht die Elf von Ole Werner ihre Stürmer Füllkrug und Ducksch in Abschlusssituationen zu bringen.SVW Chancenkreierung; Füllkrug 35. Spielminute.SVW Chancenkreierung; Ducksch 34. Spielminute.

Das Spiel gegen den Ball

Auf Dortmunds 4-1-2-3 Struktur verhielt sich Werder Bremen gegen den Ball stark mannorientiert im 3-4-1-2 (im tiefen Block 5-2-1-2/5-3-2).
In vorderster Linie liefen Ducksch und Füllkrug beide Innenverteidiger und Torhüter an, während die Wingbacks Jung und Weiser die flachen Außenverteidiger Wolf und Guerreiro anliefen. Im Zentrum und teils in letzter Linie entstanden durch die Mannorientierungen der Spieler Gleichzahl-Situationen.

Ballfern rückten die Wingbacks in die Kette ein, waren aber stets auf Abruf, um ins Vorwärtspressing gehen zu können.

Im tieferen Block agieren die Wingbacks formell in der Kette, rücken jedoch schnell auf die Außenverteidiger des Gegners raus. Dahinter bildet sich eine nominelle Viererkette, die von zwei Sechsern (Groß und Stage) mann- und raumorientiert unterstützt werden.
Der ballnahe Sechser stellte Dortmunds Zehner zu, während der Ballferne im Raum auf der selben horizontalen Höhe absichert.

Das Pressingziel ist klar: Zentrum schließen; den Gegner auf die Flügel lenken und dort alle progressiven Passmöglichkeiten schließen.
So schließt der ballnahe Stürmer den horizontalen Passweg ins Zentrum zum Sechser, während die Halb- und Außenverteidiger die Zehner im Halbraum und Flügelspieler auf der Außenbahn schließen.

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  • „Zustellungsarbeit“ von Füllkrug

Die beiden Stürmer Ducksch und besonders Füllkrug geben im ballnahen Verschieben Optionen frei, die das Aufbauspiel sichern können, sodass über Umwege über die Innenverteidiger das Spiel verlagert werden kann.
Der BVB spielte sich auf dem Flügel früh fest, schlug in Folge viele lange Bälle.

  • Auflösung über die Sechser und Innenverteidiger

Die Mannorientierungen auf dem ganzen Feld können spielstarken Gegnern Räume geben, wenn sie die erste Linie überspielt haben.
Der BVB hatte in der Theorie über den Torhüter eine gut-gestaffelte Rautenbildung, die sie hätten effektiver nutzen können, um über den Sechser auf die Innenverteidiger auflösen zu können.
Keeper Kobel spielte auch hier viele (voreilige) lange Bälle.

  • Tiefe in der letzten Linie in Schnittstellen

In der Kette der Bremer schoben die seitlichen Halbverteidiger auf die Flügel durch, um Brandt / Gittens zuzustellen, als die Wingbacks die Außenverteidiger Wolf / Guerreiro pressten.
Durch die aggressiven Durchschiebebewegungen, öffnete sich früh und häufig der Halbraum in der Schnittstelle zwischen den Halb- und dem zentralen Verteidiger der Kette.

Beschriebenes Szenario: Der Halbraum in der Kette öffnete sich, als Friedl auf die Flügel durchschob, welcher durch Reus attackiert wurde.

Die Tiefenläufe in die Schnittstellen eignen sich nicht nur für attackierende Achter; auch für Stürmerprofile, wie Marcus Thuram, der häufig die Räume hinter der Kette sucht und Ausbrüche in Halbräume hat.

Stürmerprofile, wie Thuram, attackieren die Tiefe

Im tiefen Block reagieren die Halbverteidiger auf die Achter. Im Spiel war zu beobachten, wie die restliche Kette oft nicht durchschob, sondern im Zentrum postiert war.

Die Räume attackierte der BVB durch dynamisch-entstandene Läufe von Guerreiro, oder von Zehnern (in der unteren Abb. Brandt).
Ging Sechser Groß die Wege mit, öffnete sich die diagonale Passspur in die letzte Linie hinein (Modeste).

4-2 Aufbau öffnen Zwischenräume vor der Kette

Wenn sich in der zweiten Linie des BVB eine Doppel-Sechs-Struktur ergab, wurden die Zwischenräume vor der Kette der Bremer größer, gleichzeitig öffneten sich weitere (größere) Räume innerhalb der Kette.
Der BVB hatte im Spiel keine gute Staffelung, sodass sie selten in Situationen kamen, in denen sie diese bestrafen konnten.

Fazit

Es wird wichtig sein, dass die (wahre) Borussia aus Mönchengladbach ihre Lehren aus diesem Spiel zieht. Dass sich der BVB so früh auf dem Flügel festspielte, hatte auch was mit dem Solo-Sechser zu tun, der selten gute Anbindung schuf und sich im Zentrum isolierte. Ballnah gab es kaum Verbindungen, um verdichtete Räume mittels Verlagerungen zu kontern.
Für Manu Kone und besonders Julian Weigl werden diese Momente besonders wichtig.

Die besprochenen Räume hinter der Kette, bieten sich besonders für Thuram und Hofmann an; wichtig wird hier, dass Kramer die zusätzliche Bindung in den Halbräumen schafft, um Hofmann die Positionierung in der letzten Linie zu ermöglichen. Oder um mit Thuram selbst die letzte Linie zu binden, um Hofmann aus der Achter-Position die Tiefe in dynamischen Situationen zu geben.

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