StartAnalysenHonorat kommt: Welchen Spielertypen verpflichtet die Borussia?

Honorat kommt: Welchen Spielertypen verpflichtet die Borussia?

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Am Mittwoch, den 05.07.23 vermeldete Borussia den Wechsel von Nationalspieler Jonas Hofmann nach Leverkusen. Für eine festgeschrieben Summe von 10 Millionen Euro schlug die BayerElf zu. Ein Wechsel der sicherlich überraschend kam und vermutlich nicht ganz sauber ablief, wie sich das aus den Aussagen von Geschäftsführer Roland Virkus ablesen lässt.

Gerardo Seoane bestätigte am Trainingsauftakt via Interview bei Sky, zuversichtlich zu sein, um den Kauf von Franck Honorat in den nächsten Tagen abschließen zu können.

Der neue Trainer kündigte bereits an, mit dem 26-Jährigen ein ähnliches Profil eingekauft zu haben, der Stärken mitbringt, die auch Jonas Hofmann ausgemacht haben:


„Er ist ein Spieler, der den Abgang von Jonas Hofmann von der Position und vom Profil her ersetzen kann. Jonas hat vielleicht ein paar Qualitäten, die Franck nicht hat, dafür hat er andere. Wir sind schon zuversichtlich, dass es in den nächsten Tagen über die Bühne geht.“

Im Scoutingbericht analysiert Deniz (@DenizimHalbraum) erst die individuellen Stärken-/Schwächen des Neuzugangs, dann wie dieser im System Seoane eingebaut werden kann, um zum Schluss zu bilanzieren, welche sportliche Qualitäten Gladbach im Hofmann/Honorat-Transfer gewonnen, aber auch verloren hat.

Honorat: Was kann der Neuzugang?

  • Schnelligkeit

Franck Honorat ist mit einer Körperlänge von 1,80m und einem Gewicht von 70kg (Quelle Wyscout) ein Profil, welches bereits auf Schnelligkeit hindeutet.
Die Rheinische Post nahm in einem Artikel ebenfalls Bezug zur Schnelligkeit des baldigen Neuzgangs:

„(…) was ihn für Trainer Gerardo Seaone und Manager Roland Virkus besonders interessant macht – zählte zu der begehrten Sorte Sprinter, die mehr als 35 km/h erreichten.“

Schaut man sich Videoclips an, so wird deutlich: Wenn Honorat den (Frei-) Raum vor sich attackieren kann, dann ist dieser besonders auf Langstrecke schwierig einzufangen.

Quelle: Wyscout
  • Tiefgang

Seine Schnelligkeit paart Honorat mit einem guten Timing für seine Tiefenläufe. Im Heimspiel gegen PSG erkennt der 26-Jährige den Raum hinter dem letzten Verteidiger, läuft deshalb diagonal ein, um zentral zum Tor stehen zu können.

  • Sauberer Abschluss – auch mit dem „schwächeren“ linken Fuß

Dass Honorat seine starken Läufe in die Tiefe auch aus dem Ballbesitz heraus in letzter Linie zeigen kann, erkennt man in einem der folgenden Clips im Video. Dabei schoss der Flügelspieler alle zu sehenden Tore mit seinem nominellen schwächeren – linken – Fuß. Dabei zeichnet ihn eine gute Ballmitnahme aus, welche ihm helfen, im Lauf das Tempo aufrecht zu halten oder gar erhöhen zu können.

  • Flanken

Honorats „Move“ im letzten Drittel sind seine gern geschlagene Flanken. Dabei beweist er mehrere Arten von Hereingaben zu beherrschen:
– Flache Pässe in den Rückraum, oder vor zum zweiten Pfosten
– Hohe Flanken in den offenen Raum (mit rechts, und auch links geschlagen)
– Chipbälle auf den zweiten Pfosten.

  • Standards

Seine Flankenqualität verliert Honorat bei den Standards keinesfalls. Wenn man bedenkt, dass Hofmann Gladbachs Standards in der abgelaufenen Saison nicht unerfolgreich ausführte, ist dies ein wichtiges Skillset, welches Honorat mitbringt.
Freistöße aus Halbfeldern, sowie Eckenausführungen von beiden Seiten beherrscht der 26-Jährige gut.

Spieltaktische Individualanalyse

Wie baut man Franck Honorat in sein System ein?

Um diese Frage beantworten zu können, muss zunächst seine individuelle Rolle auf dem Feld analysiert werden.

  • Rolle des „Breitengebers“
Franck Honorat Heatmap
Heatmap Franck Honorat 22/23; Quelle: Wyscout

Franck Honorat ist der bereits angesprochene Flügelspieler, der in der abgelaufenen Saison vor allem über die rechte Außenbahn kam – das verdeutlicht seine Heatmap 22/23.
Seine Aktionen starten und enden über den Flügel.

Schaut man sich diese genauer an, wird klar, wie er seine Rolle in der Breite interpretiert und diese für sich nutzt.
Vom Flügel hat der 26-Jährige meist zwei klassische Winkel, die er bespielen kann. „Diagonal-offensiv“ oder „Diagonal-defensiv“. Also den Pass in den Halbraum, der Raum in offensiver Spielrichtung gewinnt, oder eben den Pass in den Halbraum, in defensiver Ausrichtung.

Seine Positionierung nutzt Honorat bewusst oft in maximaler Breite. Die Distanz, die der Flügelspieler zu seinem nächsten Gegenspieler gewinnt, nutzt er, um seine Folgeaktion optimal vorbereiten zu können (Zeitvorteil).

Franck Honorat

Die gewonnene Zeit, kann Honorat auch dann für sich nutzen, wenn er ballfern doch ein wenig einrückt.
Die nicht optimale Abschlussposition, die der Flügelspieler durch sein konservatives Einrücken besitzt, kann er mit verhältnismäßig viel Zeit zur Vorbereitung des Torabschlusses nutzen.

Franck Honorat Tor

Man erkennt stets, dass sich Honorat lieber in der Breite aufhält. Hofmann ist ein Spielertyp, der sicherlich im roten Bereich deutlich näher am Gegenspieler gestanden hätte, der sich dann direkt in der Tiefe einsetzen lässt, mit direktem Zug zum Tor.
Honorat hat dagegen den Gedanken, Dinge für Mitspieler vorzubreiten und orientiert sich folglich in der Breite.

So auch aus einer dynamischen Spielsituation heraus, als dieser aus dem Abseits herauskommend, in die Breite zieht und mit dem ersten Kontakt die flache, präzise Hereingabe zum zweiten Pfosten spielt.

  • Rolle im Mittelfeld und in der Spieleröffnung

Seine Heatmap verdeutlicht bereits, dass er auch in tiefen Spielfeldzonen in der Breite hilft. Die Raute, die Stade Brest im Folgescreen bildet, verstärkt Honorat mit seiner „Joker-“ Rolle in letzter Linie – in der Breite.

Ist dieser im Spielübergang integriert, so hat Honorat meist eine seitlich offene Körperhaltung. Dadurch schafft es der Neuzugang mit seinem starken Fuß diagonal raus zu spielen.

In leicht höheren Zonen kommt der „Joker“ in Situationen, in denen er sein Tempo nutzen kann. Eins-gegen-Eins-Duelle sind für Außenverteidiger in für sie höheren Zonen keine untypische Situation. Honorats Anlocken, um dann den freien Raum dynamisch zu bespielen und anschließend zu attackieren, könnten bspw. eine Variante für Seoanes System sein.

Honorats Entwicklungsbereiche

Unter Druck schafft es Honorat, recht schnell einen ersten Überblick zu gewinnen. Dabei hat er zwar eine gute Körperöffnung zum Spiel, wie eben besprochen, allerdings nutzt er stets seinen starken rechten Fuß, was ihm den Druck aus dem Passspiel nehmen kann.

Auch ist Honorat kein „Elite“-Spieler in der frühen Spieleröffnungsphase. Er scannt sein Umfeld selten und ist unter Druck einer, der sich früh für die vermeintlich offensichtlichste Wahl entscheidet.

In der Beispielszene lässt Honorat (gelb markiert) den Ball unter Druck klatschen. Das Brechen des gegn. Angriffspressings hätte bedeutet, den Ball ins offene Zentrum zu spielen – dessen Mitspieler hatte Raum und Zeit.
  • Defensive

Seine taktische Positionsfindung in der Formation gegen den Ball muss noch entwickelt werden.
Beispiele, wie das fehlende Schließen des Halbraums, weil der Fokus auf den (anderen) direkten Gegenspieler liegt, sind zum Beispiel Dinge, die häufig aufgefallen sind.

Generell darf Honorat in der statischen Phase der gegnerischen Ballbesitzphase im Rückwärtspressing aggressiver sein. Das Doppeln am Flügel funktioniert erst dann, wenn der Druck maximal ausgeübt wird.

Honorats Anlaufstärke erinnert an Hofmann

Honorats Stärke in der Defensivarbeit liegt eindeutig im Bereich des Vorwärtspressings und Anlaufens.
Dabei kombiniert der Neuzugang Intensität und Timing im Pressingauslöser.
Im Anlaufen erinnert Honorat definitiv an Hofmann, gerade wenn es darum geht, das Vorwärtspressing auszulösen. Die Anlaufwinkel im Bogen stimmen dabei häufig.

Um das Pressing auch funktional auslösen zu können, ist es wichtig, dass sich die Antizipation des Spielers auf einem gewissen Niveau befindet. Im Folgebeispiel schafft es Honorat frühzeitig Situationen zu erkennen, die ihm dann einen zeitlichen Vorteil verschaffen, wenn es darum geht, den gegnerischen Passemfpänger frühzeitig unter Druck zu setzen.

So ist auch Honorats Gegenpressing absolut solide und von einer gewissen Cleverness in den direkten Zweikampfduellen geprägt.

(Daten-)Vergleich:
Was gewinnen/verlieren die Fohlen an sportlichen Qualitäten beim Hofmann/Honorat-Transfer?

Franck Honorat ist im Gegensatz zu Hofmann ein Breitengeber. Dieser wird oft mit klassischen Flügelspielern gleichgesetzt.
Dazu passt, dass der 26-Jährige in puncto Schnelligkeit im Antritt, sowie in Langstrecke Vorteile gegenüber dem deutschen Nationalspieler pflegt.
So klebt Honorat deutlich präsenter und öfter am Flügel, egal ob im Defensiv-, Mittelfeld-, oder Angriffsdrittel.
Während Hofmann dafür häufiger und früher Präsenz in Halbräumen gezeigt hat.

Heatmap Jonas Hofmann 22/23; Quelle: Wyscout

Dadurch lassen sich paar Daten erklären:

  • Honorat flankt öfter und ist im allgemeinen ein sehr flankenfreudiger Spieler:
    Mit 3,9 Flanken pro Spiel der letzten Saison belegt er im Ligaranking aller Flügelspieler (mit mind. 1500 Einsatzmin.) der BuLi den 4. Rang.
  • Hofmann: 1,79 Flanken pro Spiel.
  • Dabei lässt sich – trotz der hohen Anzahl an Flanken – eine beeindruckende prozentuale Quote feststellen:
    37,7% aller Flanken kamen an. Bedeutet Rang 12 in der BuLi.
  • Obwohl Honorat ein Flügelspieler ist, geht dieser verhältnismäßig selten in 1vs1-Duelle:
    2,05 Duelle pro Spiel sind zwar mehr als bei
    Hofmann (1,39), dennoch im Ranking deutlich unter dem Durchschnitt der Flügelspieler in der BuLi.

Feststellen lässt sich also, das Honorats Torschussvorlagen in der Entstehung einen wesentlichen Bestandteil in den Flanken-Hereingaben haben.

Schaut man sich die beiden Maps der Spieler an, die zeigen, aus welchen Zonen diese für ihre Mitspieler einen Torschuss vorbereitet haben, wird deutlich, dass:
– Honorats Torschussvorlagen allesamt außerhalb des Strafraum entstanden sind, und
– dass Hofmann deutlich präsenter in der Box war.

Honorats Torschussvorlagen 22/23; Quelle: Wyscout

Hofmanns Torschussvorlagen 22/23; Quelle: Wyscout

Hofmanns Präsenz hat einerseits taktisch-individuelle Gründe (Positionsfindung in der minimalen Breite, hingegen Honorats Position in der maximalen) und in der Rollenaufteilung der Spieler im Team (Hofmanns Halbraum im Spielaufbau und im letzten Drittel gegen Honorats Flügellastigkeit).

Wo erzielen die Spieler ihre Tore?

Analysiert man die geschossenen Tore beider Spieler, wird deutlich, welche Vor- und Nachteile Honorats Flügelposition im Gegensatz zur zentrumsorientierten von Hofmann hat.
Beide Spieler kommen zwar auf die exakt gleiche Anzahl an Torschüssen, aber Hofmann gelang es öfter, im Strafraum eingesetzt zu werden. Durch die in tornähere Abschlussposition hat Hofmann einen höheren xG-Wert als Honorat.
Dazu kommt, dass Hofmann eine beeindruckende Auswertung der xG-Werte hat.
0.21 xG pro Spiel, bei 0.4 Toren ist eine starke Bilanz!

Allerdings sind die Werte von Honorat nicht schlechter, wenn man bedenkt, dass dieser im Verhältnis zu seiner Flügelposition andere Zonen primär bespielt.
Dabei overpervomed Honorat konstant seit drei Jahren im Verhältnis der geschossenen Tore und der xG-Werte.
+4.3, +6 und +0.9 lauten die Überschusswerte.
Dazu kommt, dass seine xAssists-Werte jedes Jahr höher waren, als die Torausbeute seiner Mitspieler.

Anzahl SpielexGTorexAAssistsxScorerpunkteScorerpunkteAnzahl SchüsseToreffektivität in %xG pro SchussAnzahl Tore BrestTorbeteiligung Honorat in %
20/21363.786.6510.3134119,50.095026
21/22345.0116.7611.7176018,30.084934,7
22/23335.169.6514.71146130.114425
Daten von F. Honorat; Quelle: Wyscout

Schlussfazit

Mit Honorat gewinnt die Borussia einen Spieler, der einige Komponenten mitbringt, die sie mit Hofmann ursprünglich verloren haben. Dennoch sind Honorat und Hofmann nicht automatisch zu vergleichen:
Während Honorat ein Flügelspieler ist, der die Breite hält, viele Flanken schlägt (und somit Assists sammelt) und mit viel Tempo die gegnerische Kette bedroht, ist Hofmann ein Spieler, der sich primär im Halbraum wohl fühlte. Unter Ex-Coach Daniel Farke war dieser zudem häufig im Spielaufbau integriert, sodass dieser im Kombinationsspiel häufiger zur Geltung kam.
Ein Beispiel dafür liefern die Daten für die Anzahl an gespielten „linienbrechenden Pässe“. Mit durchschnittlich 0.88 linienbrechenden Pässen war Hofmann einer der Offensivakteure auf dem „Flügel“, der die meisten dieser Art bespielte. Hingegen sind es bei Honorat lediglich 0.61.
So hat Hofmann auch eine etwas bessere und engere Ballführung, während Honorat den progressiven Weg über das Tempo wählt und sich den Ball gerne vorlegt.

Klar wird auch: Die vielen (guten) Flanken, die Honorat schlägt, brauchen Abnehmer. Die Fohlen brauchen einen Stürmer, der für diese Flanken Sympathien hat. Dass Roland Virkus und Co. bereits nach einem solchen Zielspieler suchen, ist ein offenes Geheimnis.

Spannend wird sein, wie Gladbach die Personalsituation mit Honarat UND Ngoumou löst. Beide ähneln sich in ihrer Rolle (nicht unbedingt vom Spielertypen an sich). Beide geben ihre beste Version auf rechts ab. Honorat ist die linke Seite eher zuzutrauen, aber auch dort nimmt man ihm seine absoluten Stärken, auch wenn sein linker Fuß solide ist.

Auf Gladbachs Rechtsverteidiger werden ebenfalls neue Aufgaben warten. Während unter Farke meist beide Außenverteidiger (Bensebaini und Scally/Lainer) die Breite gaben, um Plea und Hofmann innen spielen zu können, wird mit Honorat ein Breitengeber bereits da sein.
Dass Scally oder Lainer nun mit mehr Verantwortung in der Restverteidigung agieren werden, ist mit Honorats Verpflichtung also kein Geheimnis mehr.

Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum).

Scheut euch bei (Nach-)Fragen nicht, mich über Twitter zu kontaktieren.

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