StartAnalysenErneut die Führung aus der Hand gegeben! Was Borussia gegen Augsburg fehlte

Erneut die Führung aus der Hand gegeben! Was Borussia gegen Augsburg fehlte

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Am vergangenen Sonntag hatten die Fohlen erneut die Möglichkeit, eine lange anhaltende Serie zu beenden. Mit einem Sieg gegen Augsburg hätten die Fohlen erstmals seit März 2022 (damals Hertha und Bochum) zwei Siege in Folge in der Bundesliga einfahren können. Stattdessen verlor man hoch verdient mit 1:2 gegen die Fuggerstädter. In der Analyse zeigt euch @marc (@ZonalMarc), warum Gladbach im Heimspiel erneut eine Führung aus der Hand gab.

Gute Muster im Ballbesitz zu selten gezeigt

Die Fohlen agierten gegen die 4-Raute-2 der Gäste mit einem 4-2-3-1 ihrerseits und hatten somit nummerisch im Zentrum die Unterzahl, wofür sie auf den Flügeln jedoch eine Überzahlt generieren konnten. Das Augsburger Pressing hatte dabei immer wiederkehrende Abläufe. So versuchten sie von der Achterposition nach Außen zu pressen und ballentfernt das Zentrum zu schließen. Hierdurch ergab sich für die Fohlen oft eine ballnahe Unter- oder Gleichzahl, so gesehen ein Risiko für den Spielaufbau. Mutig in den Druck spielend konnte man jedoch immer wieder Lösungen unter dem Ball finden und anschließend verlagern auf die ballentfernte Seite, welche die Gäste durch das Schließen des ballentfernten Achters nicht schließen konnten. Der untere Screenshot zeigt ein solches Beispiel, in dem die Fohlen über Scally auf Netz verlagern konnten, welcher folglich die Seite mit Hack im Verbund gegen Mbabu im 2:1 attackieren konnte. Problematisch für die Hausherren war es jedoch, dass der Passweg ähnlich, wie unten skizziert, verlief. Dies führte regelmäßig dazu, dass man nicht schnell genug ins Tempo kommen konnte und Augsburg durch viel Laufarbeit die Raute erneut ballnah verschieben konnte.

Besser sah es aus, wenn man dieses Muster mit Anbindung im Zentrum unterbringen konnte. Dass Jordans Verbindungsspiel ein wichtiger Faktor für das Team von Gerardo Seoane sein kann, ist bekannt, jedoch schafften die Fohlen es durch ihre gewohnten One-Twos am Flügel das Augsburger Pressing auszulösen und durch die Verbindung mit Jordan auch den gegenerischen Sechser Rexbecaj in das Pressing zu integrieren, wodurch die Kompaktheit im Zentrum verloren ging und der Weg in die Defensive für Rexbecaj weiter wurde. Aus einem ähnlichen Muster erarbeiteten sich die Borussen auch die Ecke, welche dann zur zwischenzeitlichen Führung führte.

Sofern Augsburg von diesem Anlaufmuster abwich, reagierten die Fohlen mit Hack oder Honorat in entgegenkommenden Bewegungen, um sich aus dem ballnahen Druck auf die ballentfernte Seite zu lösen. Dass dieses Muster zu selten Anwendung im Gladbacher Spiel führte, lag vor allem an den technischen Unsauberkeiten der Fohlen in zweiter Linie.

Gladbachs Arbeit gegen den Ball: Weder Fisch noch Fleisch

Zu Beginn versuchte die Borussia das Augbsurger Aufbauspiel früh zu unterbinden und den Gegner an der eigenen Box zu pressen. Augburgs Staffelung in der Raute erlaubte es ihnen, am Flügel die Außenverteidiger hochzuschieben, während Rexbecaj in direkter Anbindung an die Innenverteidiger agierte. Dieses Muster ist in Gladbach seit der Amtszeit von Marco Rose selten gesichtet worden. Das Problem der Fohlen im Anlaufen lag hierbei sowohl an den teils zu hoch positionierten Flügelspielern, hier verliert Hack Mbabu aus den Augen, und dem Problem der Mannorientierung im Zentrum. Reitz schiebt hoch auf Rexbecaj, wodurch Reitz und Honorat in Unterzahl geraten, da Koné gegen den Augsburger Zehner nicht vorschieben kann. In der Folge kann sich Augsburg immer wieder zu einfach lösen und den freien Fuß finden. Borussias hohes Pressing ist somit nur wohlwollend als Pressing einzustufen, da die Fohlen aus dieser Staffelung nie wirklich Druck auf den Ball erzeugen konnten.

Die Unterzahl im Zentrum wird eklatanter

Dadurch, dass die Fohlen im Zentrum mit Reitz und Koné gegen die Augsburger Raute immer wieder in Unterzahl gerieten, konnte Augsburger die Borussia in der Tiefe verwunden. Das gegen den Ball aufgerufene 4-4-2 der Borussen ist nicht leicht, um zu pressen, da es lediglich aus 3 Linien besteht und die Gefahr des „Überspieltwerdens“ groß ist. Will man im 4-4-2 Druck auf den Ball erzeugen, geht es darum, die Abstände zwischen den Ketten so gering wie irgendmöglich zu halten und gleichzeitig ballnah zu verschieben. Durch die Raute der Gäste konnten die Fohlen ihre zweite Linie jedoch nie in einer Linie halten. Besonders Koné fiel immer wieder durch zu gieriges bzw. zu frühes Rausschießen aus der Position auf. So konnte Augsburg durch die hohen Außenverteidiger und nachrückenden Achter bzw. den nachrückenden Zehner die Fohlen im Rücken der nominellen Sechser Koné und Reitz immer wieder attackieren und diesen Raum überladen. So stellte sich häufig das untenstehende Bild ein, indem Augsburg den vor der Kette der Fohlen markierten Raum überladen und durch das Überspielen des Gladbacher Mittelfeldes in Szene setzen konnte.

Folglich ergab sich eine Augsburger Überzahl vor der Fohlenkette und die Gäste kamen zu Abschlüssen. Reitz und Koné können nicht mehr eingreifen, Friedrich und Co. sind in fataler Unterzahl.

Das Problem im Mittelfeldpressing

Die Fohlen schafften es kaum, das Andribbeln der Augsburger Innenverteidiger Uduokhai und Gouweleeuw zu unterbinden. Dies lag vor allem daran, dass Pléa und Jordan regelmäßig durch das zentrale Abkippen von Rexbecaj in erster Augsburger Linie in Unterzhal gerieten. Was danach passierte, brach den Fohlen jedoch regelrecht das Genick. Während Iago Am Flügel durch geht, kippt Engels auf die Flügelposition ab, wodurch Scally und Honorat in Bedrängnis geraten, da sie sowohl auf diese beiden als auch auf das Andribbeln von Uduokhai reagieren müssen. Da Honorat keinen guten Winkel findet im Anlaufen von Uduokhai kann diese den tiefen Tietz im Duell gegen Friedrich als Wandspieler finden, der anschließend auf den durchgelaufenen Iago ablegen kann. Erneut ist das Gladbacher Pressing im Mittelfeld überspielt und die Augsburger überspielen durch einen Pass das gesamte Gladbacher Mittelfeld, ähnlich wie im vorherigen Beispiel.

Die Augsburger Treffer als Folge dieser Fehlerkette

Kurz nach der Pause muss das Team von Gerardo Seoane den Ausgleich hinnehmen. Grundlage hierfür ist erneut das Andribbeln eines Innenverteidigers, hier ist es jedoch Gouweleeuw. Koné sieht sich gezwungen, aus seiner Manndeckung gegen Jensen rauszuschießen, was er durch einen guten Winkel auf selbigen noch selbst kaschiert. Hack steht hier jedoch zu zentral, wodurch Augsburg über den auf den Flügel abgekippten Vargas Jensen im Zentrum „über den Dritten“ freizuspielen. Netz muss dann raus, um selbigen zu stellen, wodruch Mbabu in seinem Rücken zur Grundlinie durchbrechen kann und ungestört für Tietz zum Ausgleich servieren kann. Eine Gladbacher Fehlerkette sorgt somit für den Ausgleich kurz nach der Pause.

Dass Augsburg den Rückstand in eine Führung innerhalb von nur vier Minuten drehen kann, passt zu diesem Spiel. Die Borussia reagiert auf den schnellen Einwurf von Mbabu zu spät, verteidigt es dann in der eigenen Box zunächst gut, pennt dann jedoch in Person von Franck Honorat komplett und lässt Engels aus knapp Elfmetern frei zum Abschluss kommen. Dieser Abschluss ist für den Augsburger nur noch Formsache, dass dieser jedoch entsteht, ist nur eine von einigen Gladbacher Nachlässigkeiten an diesem 18. Spieltag.

Fazit: Was willst du bloß Borussia?

In diesem Spiel versuchten die Fohlen es mit einem Angriffspressing, was dieser Bezeichnung, wie erklärt, kaum gerecht wird. Dass das Pressen aus dem 4-4-2 heraus komplex ist, ist bekannt, jedoch fand die Borussia offensichtlich kaum in Muster, aus denen sie Druck auf den Ball hätte erzeugen können. Durch diese Wechsel stellt sich die berechtige Frage, was Borussia eigentlich möchte, hoch pressen oder kompakt stehen? De facto schaffte sie gegen Augsburg keins von Beidem. Dass man dann im eigenen Ballbesitz teils so fahrig und ungenau agiert, passt ins Bild und verdeutlicht, warum die Fohlen in dieser Saison bereits 20 Punkte nach Führung verspielten. Der Weg der Borussia muss zielgerichteter sein, ein klarer Plan muss forciert werden und dann dem Gegner zumindest in Heimspielen aufgezwungen werden.

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