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Stratege Stöger, der Abstiegskampf und mögliche Helden – 3 Beobachtungen zum 32. Spieltag

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Der 32. Spieltag der Bundesliga sah unter anderem deutliche Siege an der Tabellenspitze für den FC Bayern (gegen Schalke 04) und den BVB (gegen Gladbach).

Union Berlin gewann das direkte Duell um die CL-Qualifikation gegen den SC Freiburg, Frankfurt meldete sich mit einem Sieg gegen Mainz im Kampf um Europa zurück und im Keller war Bochum, mit einem Sieg gegen Augsburg, der große Gewinner.

Hier sind 3 Beobachtungen zum 32. Spieltag von Dominic.

1 – Kevin Stöger: Einer der unterschätztesten Spieler der letzten Jahre

Als Kevin Stöger am Samstag gegen den FC Augsburg eingewechselt wurde, stand es 1:1 in einem Spiel, das der VfL Bochum gewinnen musste, um im Klassenerhalt noch eine Chance zu haben. Dass der Österreicher, der zuvor eine Woche krank war, bereits in der 36. Minute eingewechselt werden musste, lag daran, dass sich Konstantinos Stafylidis verletzt hatte.

In der 59. Minute sammelte Stöger dann einen Pre-Assist, als er einen perfekt-getimten Pass zu Christopher Antwi-Adjei spielte, dieser legte den Ball in die Mitte und zwang Jeffrey Gouweleeuw zu einem Eigentor. Obwohl nicht 100% fit, war Stöger also wieder einmal daran beteiligt, den VfL Bochum auf die Siegerstraße zu bringen. Grund genug, sich einen der unterschätztesten Spieler der Bundesliga mal genauer anzusehen.

Stögers Geschichte in der Bundesliga beginnt im Jahr 2018. Nach einer sehr starken Saison in der 2. Liga für seinen jetzigen Verein VfL Bochum (u.a. die drittmeisten kreierten Chancen und die zweitmeisten tödlichen Pässe der Liga), wagte Stöger den Schritt in die Bundesliga und wechselte zu Aufsteiger Fortuna Düsseldorf.

Schnell wurde der Spielmacher unter Trainer Friedhelm Funkel zum Dreh- und Angelpunkt der Fortuna. Er war so ziemlich im Alleingang für den kompletten Spielaufbau verantwortlich. Kein anderer Düsseldorfer spielte mehr als seine 51,2 Pässe pro Spiel und mit 7,17 hatte er den höchsten „xG-Buildup”-Wert seines Teams. (Dieser misst alle xG Aktionen des Teams, an denen ein Spieler involviert ist, außer Schüsse und kreierte Chancen).

Darüber hinaus hatte Stöger die meisten Assists (7 / Platz 13 der Liga), kreierte die meisten Chancen (2,29 pro90 Minuten / Platz 9 der Liga) und spielte die meisten progressiven Pässe (7,62 pro90 / Platz 8 der Liga) seines Teams. Pässe ins letzte Drittel (5,7) und Pässe in den gegnerischen 16er (1,36) waren ebenfalls Bestwerte seines Teams und unterstrichen, dass er zu den kreativsten Spielern der Bundesliga gehörte.

Unter anderem aufgrund der Kreativität von Kevin Stöger beendete Düsseldorf die Saison 18/19 auf einem starken 10. Platz. Doch obwohl Dodi Lukébakio (10 Tore + 3 Vorlagen) und Benito Raman (ebenfalls 10 Tore + 4 Vorlagen) nach der Saison nicht zu halten waren, war es vor allem der Kreuzbandriss von Stöger, der dafür sorgte, dass die Düsseldorfer, in dem so berüchtigten 2. Bundesliga-Jahr, abstiegen.

Die komplette Hinrunde verpasste der Stratege. Wenig verwunderlich also, dass in dieser Zeit kein Team der Liga eine schlechtere Offensive hatte als Fortuna Düsseldorf (lediglich 19,38 Expected Goals in 17 Spielen). Stöger ließ seinen Vertrag auslaufen und nach vielen Gerüchten, allen voran um Schalke 04, unterschrieb Stöger am Deadline Day 2020 bei Mainz 05.

In Mainz sollte Stöger aber nie richtig Fuß fassen und spielte in 2 Jahren nur 926 Bundesliga-Minuten. Deshalb wechselte er im vergangenen Sommer, erneut ablösefrei, zum VfL Bochum, wo er bereits zwischen 2016 und 2018 aktiv war. An der Castroper Straße wurde er erneut auf Anhieb zum Unterschiedsspieler.

In der Schaltzentrale, neben Anthony Losilla, lenkt Kevin Stöger das gesamte Spiel der Bochumer. Wieder ist Stöger der Spieler seines Teams mit dem höchsten xG-Buildup-Wert (6,05) und erneut spielt er die meisten Pässe (38,6) seines Teams. Mit 2,3 kreierten Chancen pro Spiel (Platz 10 der Liga) und 4,79 „Shot-Creating Actions”  (die letzten 2 Aktionen vor einem Schuss / Platz 9 der Liga) ist er mit Abstand der kreativste Spieler seines Teams. Trotzdem hat er nur 1 Assist, da seine Mitspieler lediglich 1 Treffer aus seinen 4,55 Expected Assists (bester Wert seines Teams) erzielen konnten.

Doch auch defensiv ist Stöger sehr fleißig. In seiner gesamten Karriere gehört „Pferdelunge” Stöger zu den Laufstärksten Spielern der Liga (in Düsseldorf waren es zum Teil mehr als 12 Kilometer pro Spiel). Kein Bochumer versuchte mehr als seine 70 Tacklings in dieser Saison. Schon zu Düsseldorfer-Zeiten hatte er mit 4,2 Tacklings pro Spiel die meisten seines Teams.

Auch in einem enorm direkten Team, das kaum den Ball hat, beweist Stöger Woche für Woche aufs Neue, warum er zu den kreativsten und komplettesten Spielern der Liga gehört. Doch wie auch seine Karriere in der österreichischen Nationalmannschaft zeigt (0 Einsätze / 0 Tore), scheint der 29-Jährige in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch unterschätzt zu sein.

Kevin Stöger gegen Augsburg
Bildquelle: Wyscout

(Kevin Stöger bei seinem Pre-Assist gegen den FC Augsburg.)

2 – Der Abstiegskampf ist so spannend wie nie

7 Mannschaften. Ja, theoretisch sind 2 Spieltage vor Schluss noch 7 Teams mathematisch in der Lage, aus der Bundesliga abzusteigen.

Zum Vergleich, letzte Saison, in der sich zum Beispiel der VfB Stuttgart erst in der letzten Sekunde noch den Klassenerhalt sicherte, waren nach dem 32. Spieltag nur 5 Teams mathematisch abstiegsbedroht.

Werder Bremen (35 Punkte), FC Augsburg (34), TSG Hoffenheim (32), VfL Bochum (31), Schalke 04 (30), VfB Stuttgart (29) und Hertha Berlin (25) sind alle zu diesem Zeitpunkt der Saison, mehr oder weniger, abstiegsbedroht.

Durch den letzten Spieltag hat sich im Tabellenkeller einiges geändert. Bochum konnte durch den emotionalen Sieg gegen Augsburg von Platz 17 auf Platz 15 springen. Stuttgart holte zwar einen Punkt gegen Leverkusen, rutschte aber von Platz 16 auf Platz 17 ab.

Das Interessante ist aber generell, dass vor allem die Teams im Keller sich in den letzten Spielen besonders kämpferisch gezeigt haben. In der Formtabelle der letzten 5 Spiele ist zum Beispiel Schalke 04 auf Platz 7, Stuttgart auf Platz 10 und Bochum auf Platz 14.

Lediglich der SV Werder Bremen (Platz 17), der nach menschlichem Ermessen schon sicher ist, und Hertha Berlin (Platz 18) sind auch in dieser Formtabelle ganz unten. Aufgrund all dieser Formschwankungen ist es enorm schwierig vorherzusehen, wer letztendlich noch den Klassenerhalt schafft und wer den Gang in die Zweitklassigkeit antreten muss.

Auch das Restprogramm macht eine Prognose nicht wirklich leichter. Lediglich 2 direkte Duelle zwischen diesen 7 Teams gibt es in den letzten 2 Spieltagen. Hertha gegen Bochum am 33. Spieltag und das besonders brisante „Matarazzo-Derby” zwischen dem VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim am letzten Spieltag.

Das auf dem Papier „leichteste” Restprogramm hat der VfL Bochum, mit einer durchschnittlichen Tabellenplatzierung der Gegner von 12,5. Doch sie treffen im absoluten 6-Punkte-Spiel gegen Hertha Berlin, die alles daran setzen werden, den Abstieg irgendwie noch abzuwenden, und auf Bayer Leverkusen, die um Europa spielen.

Danach kommt der VfB Stuttgart mit einer durchschnittlichen Tabellenplatzierung der Gegner von 11,5. Doch diese beiden Gegner, Mainz (im Kampf um Europa) und Hoffenheim (Abstiegskampf), haben beide noch etwas, um das sie spielen werden. Dicht gefolgt wird Stuttgart von Hoffenheim und Hertha mit je 10,5. Wobei beide jeweils gegen einen direkten Konkurrenten und einen Europa-Aspiranten spielen.

Bremen (7) und Augsburg (6,5) haben ein relativ schweres Restprogramm, sind aber auch die Mannschaften, die die meisten Punkte haben und schon so gut wie sicher sind (Bremen reicht, durch das viel bessere Torverhältnis, 1 Punkt, Augsburg 2 Punkte).

Das mit Abstand schwerste Restprogramm der akut abstiegsgefährdeten Mannschaften hat Schalke 04, das sich durch ein 0:6 in München das Torverhältnis ordentlich zerstört hat (-34). Lediglich der VfL Bochum hat mittlerweile ein minimal schlechteres Torverhältnis (-35).

Schalke hat ein absolutes „Do-Or-Die” Spiel zuhause gegen Eintracht Frankfurt, die sich nach einer 10-Spiele-Sieglos-Serie mit einem souveränen 3:0 Sieg gegen Mainz 05 gerade noch rechtzeitig im Kampf um Europa zurückgemeldet haben.

Und zum Abschluss ein Auswärtsspiel gegen die seit 6 Spielen (5 Siege) formstärkste Mannschaft der Liga, RB Leipzig. Sollte Leipzig nicht in München gewinnen, wird es den Sachsen in dem Spiel um nicht weniger als die Qualifikation für die Champions League gehen. 

Schalke hat jedoch in den letzten Wochen immer wieder bewiesen, dass sie punktuell da sein können, wenn sie Ergebnisse brauchen, allen voran mit Toren in der letzten Sekunde. Doch aufgrund einer unnötigen 5. Gelben Karte in München werden sie in dem „Endspiel” gegen Frankfurt auf „Lebensversicherung” Marius Bülter verzichten müssen.

FiveThirtyEight, die anhand von Statistiken diverse Wahrscheinlichkeiten ausrechnen, haben dem FC Schalke 04 deshalb eine Abstiegswahrscheinlichkeit von 49% eingeräumt. Lediglich Hertha Berlin hat laut ihnen, mit 98% eine höhere Wahrscheinlichkeit, abzusteigen.

Stuttgart kommt knapp hinter Schalke auf eine Abstiegswahrscheinlichkeit von 41% und Bochum auf 28%. Hoffenheim mit 5%, Augsburg (unter 1%) und Bremen (unter 1%) werden laut dem Modell relativ sicher auch in der nächsten Saison Bundesliga spielen.

Ähnlich verhält es sich auf dem Wettmarkt. Für einen Hertha-Abstieg bekommt man lediglich eine durchschnittliche Quote von 1.03, für Schalke eine von 1.46, Stuttgart 2.1, Bochum 2.76 und Augsburg 89.33.

Der Abstiegskampf wird also höchstwahrscheinlich bis zum letzten Spieltag und eventuell wieder bis zur letzten Sekunde andauern. Fans der Bundesliga können sich also auf 2 spannende letzte Spieltage freuen, in denen noch fast alles passieren kann.

FiveThirtyEight Bundesliga Relegation
Bildquelle: FiveThirtyEight

(Die von FiveThirtyEight berechneten Abstiegswahrscheinlichkeiten der Bundesligisten.)

3 – Auf wem Ruhen die Hoffnungen im Saisonendspurt?

In den letzten Spielen einer Saison werden in nahezu jeder Saison Helden geboren. Unvergessen sind Momente wie das Tor nach einem indirekten Freistoß von Patrik Andersson, das dem FC Schalke 04 in der Saison 2000/01 in letzter Sekunde doch noch den Titel wegschnappte oder das Übersteiger-Tor von Jan-Aage Fjörtoft, das Eintracht Frankfurt 1998/99 den Klassenerhalt sicherte.

Auch in den letzten Jahren gab es mit Wataru Endos Kopfballtor gegen Köln in der letzten Saison, das Stuttgart den Klassenerhalt rettete oder Jonas Hectors Doppelpack gegen RB Leipzig, der den Grundstein für die Rettung des FC Köln in der Saison 2020/21 legte.

Deshalb schauen wir uns an, wer auf den letzten Metern der Saison, für jedes Team, noch besonders wichtig werden kann.

FC Bayern München: Serge Gnabry

Die Wichtigkeit von Joshua Kimmich wurde bereits angesprochen. Auch wurde die Stürmer-Problematik des Rekordmeisters ebenfalls zu Haufe diskutiert

Dadurch, dass Choupo-Moting bis zum Saisonende auszufallen droht, hat sich in den letzten Spielen ein anderer Spieler im Sturm für die Bayern unverzichtbar gemacht: Serge Gnabry.

Der in dieser Saison oft inkonstante Angreifer (unter anderem 9 Spiele in Folge ohne Torbeteiligung), dem (zum Teil zurecht) vorgeworfen wird, nur gegen vermeintlich schwächere Teams zu treffen, hat in den letzten 3 Spielen 4 Tore für die Münchner erzielt, davon zweimal das so wichtige 1:0.

Borussia Dortmund: Sébastien Haller

Allen voran die Außenspieler Donyell Malen (13 Torbeteiligungen in den letzten 8 Spielen) und Karim Adeyemi (10 Torbeteiligungen in den letzten 10 Spielen) profitieren von der Präsenz Hallers im Sturm, der mittlerweile selbst auf 8 Torbeteiligungen in den letzten 8 Spielen kommt und maßgeblichen Anteil daran hat, dass der BVB im Jahr 2023 auf 53 Tore in 17 Spielen kommt. Auf eine bessere Quote kommt kein Team in Europas Top-5 Ligen. 

Was wäre das für eine schöne Geschichte, wenn es Haller ist, der nach all dem, was er in der Hinrunde durchmachen musste, derjenige ist, der den BVB zum ersten Titel seit 2012 schießt.

RB Leipzig: Christopher Nkunku

Vor einigen Wochen schien es, als könnte Leipzigs Ineffizienz ihnen noch die CL-Qualifikation kosten.

Doch spätestens seit Nkunku wieder fit ist, sind die Sachsen souverän auf Kurs Champions League.

So auch gegen Werder Bremen, als Nkunku in der letzten Sekunde zum Dribbling ansetzte, die komplette Werder-Defensive im Alleingang ausspielte und dann mustergültig für Dominik Szoboszlai auflegte, der den Comeback-Sieg perfekt machte. Es war Nkunkus 2. Assist in dem Spiel und 18. direkte Torbeteiligung in unter 1.800 Bundesliga-Minuten. Seine Abschiedstournee wird noch 2 Spieltage in der Bundesliga und 1 DFB-Pokalfinale andauern, bevor er sich auf den Weg gen Insel macht.

Union Berlin: Frederik Rönnow

Natürlich hätte man auch Sheraldo Becker nennen können, der mit 4 direkten Torbeteiligungen gegen Freiburg der überragende Mann des Spieltags war, doch hat Torwart Frederik Rönnow einen ebenso großen Anteil an der Überragenden Saison der Eisernen. Obwohl Bayern, Leipzig und Köln weniger Expected Goals kassiert haben, stellen die Unioner die beste Abwehr der Liga. Einen großen Anteil hat der dänische Schlussmann, der laut Expected Goals on Target (nur die Schüsse, die auch tatsächlich aufs Tor gekommen sind werden gezählt), ganze 8,6 Tore weniger Tore zugelassen hat, als erwartet. Das ist mit Abstand der beste Wert der Liga und sogar Platz 4 in Europas Top-5 Ligen.

SC Freiburg: Matthias Ginter

Der einzige Feldspieler der Liga, der in jeder einzelnen Sekunde der Saison auf dem Platz stand. Das zeigt schon, wie unverzichtbar der Nationalspieler für die Mannschaft von Christian Streich ist. Dazu kommen 5 Torbeteiligungen und die drittmeisten gewonnenen Kopfballduelle aller Verteidiger der Liga. Als einer der konstantesten Spieler der Liga kann er derjenige sein, der mit Freiburg eventuell den ganz großen Wurf, die CL-Qualifikation, schafft. Es wäre ein schöner Bonus dafür, dass er sich, als ablösefreier Spieler, im vergangenen Sommer gegen das Geld und für seine Heimat entschieden hat.

VfL Wolfsburg: Patrick Wimmer

Kurz ausgedrückt: mit dem Österreicher ist der VfL Wolfsburg, vor allem offensiv, ein anderes Team. Seine 12 Torbeteiligungen sind Topwert der Wolfsburger. Nur 6 Spieler der Liga sammelten mehr als seine 8 Vorlagen und sein Expected Goals + Expected Assists (pro 90 Minuten) Wert von 0,53 ist der beste des Wolfsburger Kaders. Die Wolfsburger hätten sicherlich mehr Punkte auf dem Konto, hätte der österreichische Nationalspieler nicht fast 50% der Saison mit diversen Blessuren verpasst.

Bayer 04 Leverkusen: Exequiel Palacios

Sicherlich sind Jeremie Frimpong, Moussa Diaby oder vor allem Florian Wirtz hier auch zu nennen, doch im Mittelfeld entwickelt sich Palacios, neben Robert Andrich, immer mehr zum Herzstück der Mannschaft. Der argentinische Nationalspieler hat mit Xabi Alonso einen perfekten Mentor und kann eigentlich alles, was man sich von einem Mittelfeldspieler wünscht. Er verfügt über ein sauberes, nach-vorne orientiertes Passspiel, ist immer anspielbar, gewinnt unfassbar viele Zweikämpfe (unter anderem 3,3 gewonnene Tacklings pro Spiel / Platz 5 der Liga) und ist zunehmend Torgefährlich (4 Torbeteiligungen in den letzten 6 Spielen). Der Punkteschnitt mit Palacios in der Startelf beträgt 1,76 pro Spiel, ohne ihn sind es nur 1,27. 

Eintracht Frankfurt: Randal Kolo Muani

Was wurde über den französischen Nationalspieler noch nicht alles gesagt?

Das ganze Spiel der SGE ist auf Kolo Muani zugeschnitten, aber ebenso auch von ihm abhängig. 26 direkte Torbeteiligungen in der Liga von einem Mann, der am Anfang der Saison ablösefrei gekommen ist. Dazu eine Wertsteigerung, die nach oben hin offen ist. Ob in der Liga oder im Pokalfinale, möchte die Eintracht in der nächsten Saison ebenfalls europäisch spielen, wird es an RKM liegen, die Spiele zu Gunsten der Eintracht zu entscheiden.

Mainz 05: Dominik Kohr und Leandro Barreiro

Ludovic Ajorque hat nach einer zwischenzeitlich starken Phase etwas nachgelassen und Andreas Hanche-Olsen wird den 33. Spieltag gesperrt verpassen, deshalb fällt die Wahl auf die Doppelsechs der 05er. Diese war gegen Frankfurt am vergangenen Spieltag gesperrt und wurde beim 0:3 schmerzlich vermisst. Anton Stach und Jae-Sung-Lee, die einspringen mussten, hatten im Mittelfeld kaum Zugriff und kamen gemeinsam auf lediglich 2 Tacklings. Zum Vergleich, die sonst gesetzte Doppelsechs aus Kohr und Barreiro kommt durchschnittlich auf 7,2 pro Spiel. Gegen Stuttgart und Dortmund wird es vor allem auf ihre Physis im Mittelfeld ankommen, wenn man im Kampf um Europa noch ein Wörtchen mitzureden haben möchte.

1. FC Köln: Jonas Hector

Nach 13 Jahren beim FC beendet Jonas Hector zum Saisonende seine Karriere. Als absolute Vereinslegende, die auch bei Abstieg dem FC treu blieb, wird er den Fans jedoch auf ewig in Erinnerung bleiben. Unvergessen sein Messi-esques Traumtor im letzten Spiel der Saison 2017/18 oder seine Weltklasse-Leistungen, mehr oder weniger als „Zehner” spielend, im Endspurt der Saison 2020/21, als man im Rückspiel der Relegation die Klasse hielt. Er wird alles daran setzen, dass sein letzter Saisonendspurt ebenso schön sein wird.

Borussia Mönchengladbach: Julian Weigl

Viel zu bejubeln hatten die Fans der Borussia in den letzten Wochen nicht. Selbst die Zukunft um Trainer Daniel Farke scheint nicht geklärt. Ein wenig Hoffnung macht aber die feste Verpflichtung von Leihspieler Julian Weigl für centgenaue 7.179.487,10€.

Als einer der wenigen Spieler, die selbst in den letzten Wochen noch versuchen ihre Leistung abzurufen, etabliert sich der Ankersechser immer mehr zum Führungsspieler (unter anderem übernahm er gegen Stuttgart beim Elfmeter die Verantwortung) und soll den Umbruch der Fohlen mit einleiten. 

Wie gut und sicher Weigl im Ballbesitz ist, zeigt folgende Statistik: Kein Mittelfeldspieler in Europas Top-5 Ligen hatte weniger ungenaue Ballannahmen (2) oder weniger direkte Ballverluste (2) als der Borusse. Seine also insgesamt 4 Ballverluste in 1.717 Minuten sind ein absoluter Topwert. In Europas Top-5 Ligen folgen, mit relativ großem Abstand, Dani García (10 in 1.410 Minuten), Bonke Innocent (10 in 1.126 Minuten) und Pedro Chirivella (11 in 1.903 Minuten).

Werder Bremen: Marvin Ducksch

Dadurch, dass Niclas Füllkrug eventuell kein Spiel mehr in dieser Saison machen wird, wird es an Ducksch liegen, den Klassenerhalt der Werderaner dingfest zu machen.

Gut für die Bremer, dass Ducksch im Jahr 2023 in absoluter Topform ist. Kein Bundesliga-Spieler erzielte in diesem Kalenderjahr mehr als seine 9 Tore und nur die aktuellen Dortmunder Donyell Malen (14) und Raphaël Guerreiro (12) waren an mehr Toren direkt beteiligt als der ehemalige Dortmunder (11).

FC Augsburg: Niklas Dorsch

Wie viel Pech kann man in einer Saison haben? Niklas Dorsch: „Ja”.

Das Spiel gegen den VfL Bochum am vergangenen Spieltag war erst der 2. Startelf-Einsatz des ehemaligen Münchners in dieser Saison und nur der erste über 90 Minuten. Dorsch zog sich am letzten Spieltag der vergangenen Saison einen Mittelfußbruch zu. Als diese nach 5 langen Monaten endlich verheilt war, brach die Verletzung bei seinem Comeback-Spiel für die 2. Mannschaft des FCA, nach einer Viertelstunde, erneut auf. Somit fiel er für 3 weitere Monate aus. Nachdem er dann erneut fit war, war nach 4 Kurzeinsätze schon wieder eine Pause angesagt, da er sich einer Nasen-OP unterziehen musste, die ihn für einen weiteren Monat außer Gefecht setzte.

Dorsch wird hoffen, dass ihm in diesem Saisonendspurt nicht ein ähnliches Schicksal ereilt, sodass er in der nächsten Saison wieder eine wichtige Säule des FCA sein kann.

TSG Hoffenheim: Andrej Kramaric

Grischa Prömel wurde letzte Woche schon thematisiert, bei Kevin Vogt ist es noch nicht sicher, ob er in dieser Saison nochmal zum Einsatz kommen kann, so fällt die Wahl hier auf Andrej Kramaric. Der kroatische Nationalspieler lief in dieser Saison lange seiner Form hinterher. Zwischenzeitlich hatte er in 14 Spielen lediglich 2 Scorer gesammelt. Doch pünktlich zum Saisonendspurt hat sich der Rekordtorschütze der TSG zurückgemeldet. 5 Torbeteiligungen (45,46% seiner Scorer in dieser Saison) sammelte er in seinen letzten 8 Spielen. Kramaric ist generell jemand, der zum Ende einer Saison besonders heiß läuft. Unfassbar, aber wahr, seit der Saison 2017/18 traf er jedes Mal am 34. Spieltag einer Saison.

In der letzten Saison sammelte Kramaric 4 Torbeteiligungen in den letzten 4 Spielen, 20/21 waren es 8 in den letzten 5, 19/20 6 in den letzten 6 und 17/18 waren es 6 in den letzten 4. Unvergessen, sein Viererpack gegen den BVB am 34. Spieltag der Saison 2019/20.

VfL Bochum: Anthony Losilla 

Über Kevin Stöger wurde eingangs bereits viel geschrieben, deshalb soll es hier um seinen kongenialen Mittelfeld-Partner Anthony Losilla gehen. Der mittlerweile 37-Jährige Kapitän der Bochumer erlebte in den letzten Wochen so etwas wie seinen 37. Frühling. Gegen Dortmund (zum 1:0) und jetzt gegen Augsburg (zum 3:1 / 3:2 Endstand) traf er jeweils spielentscheidend aus der Distanz.

Trotz seines Alters ist der Routinier immer noch einer der fittesten und laufstärksten Spieler der Liga. In seinen 9 Saisons an der Castroper Straße hat er lediglich 4 Spiele verletzt oder krank verpasst. Wenn es nach ihm geht, soll er seine 10. Saison ebenfalls in der Bundesliga bestreiten.

FC Schalke 04: Die Fans

Marius Bülter wäre hier wohl die richtige Wahl gewesen. Doch der Top-Torjäger der Schalker (11 Tore) verpasst das „Endspiel” gegen Eintracht Frankfurt am 33. Spieltag gesperrt. Ralf Fährmann verpasst das Spiel verletzt und auch ein Einsatz von Abwehr-Koloss Moritz Jenz ist mehr als fraglich. Auf individuelle Klasse können sich die Gelsenkirchener also schonmal nicht verlassen und nach einem demoralisierendem 0:6 gegen Bayern München stehen die Vorzeichen momentan denkbar schlecht. Einen Trumpf hat S04 jedoch, das Spiel findet auf Schalke statt. Die Stimmung wird also so gut wie noch nie sein. Wenn die Fans es schaffen, diese Energie auf den Platz zu übertragen, wäre ein großer Schritt Richtung Klassenerhalt getan.

VfB Stuttgart: Serhou Guirassy

Der Nationalspieler Guineas hat viel von Saša Kalajdžić ersetzt. Leider auch seine Verletzungsanfälligkeit. Lediglich in 51,13% der Minuten stand der Stürmer auf dem Feld. In diesen 1.476 Minuten gelangen ihm aber stolze 10 Tore. Kein anderer Stuttgarter hat in dieser Saison mehr als 5 Treffer erzielt. Sein Backup, Luca Pfeiffer, wartet immer noch auf seinen ersten Treffer im deutschen Oberhaus.

Mit Guirassy in der Startelf holten die Schwaben im Schnitt 1,06 Punkte. Ohne ihn lediglich 0,79.

Hertha BSC Berlin: Pál Dárdai

Wer sonst? In der aktuellen Lage der Hertha kann nur Gott, oder eben Pál Dárdai, helfen.

Schon in seiner letzten Amtszeit hat er die Hertha aus einer schier unmöglichen Lage gerettet. Und es gibt wohl niemanden, der den Verein besser kennt als er. Eins steht fest: Würden die Spieler und der Vorstand so sehr für den Verein brennen wie der ehemalige ungarische Nationalspieler und Nationaltrainer, würde die Hertha nicht um den Abstieg spielen.

Die letzten beiden Spieltage der Saison 2022/23 werden zeigen, wer sich auf den letzten Metern noch unsterblich machen kann.

Endo gegen Köln 2022
Bildquelle: Wyscout

(Wataru Endo sichert Stuttgart am 34. Spieltag der Saison 2021/22 mit einem Kopfball den Klassenerhalt in letzter Minute.)

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