StartAnalysenBorussia verliert mit 0:1 gegen Leipzig trotz guter Leistung- spieltaktische Analyse

Borussia verliert mit 0:1 gegen Leipzig trotz guter Leistung- spieltaktische Analyse

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So merkwürdig es klingt, betrachtet man nur die Ergebnisse, aber die Borussia steigert sich. Besonders im Spiel gegen den Ball und darüber dann auch im Spiel mit dem Ball zeigten die Fohlen gegen RB Leipzig bei der bitteren 0:1 Niederlage gute Anlagen. Warum das Verbindungsspiel häufig das Problem ist, erklärt euch @marc .

Die Grundformation

Leipzig begann im Borussia Park mit dem gewohnten 4-2-2-2, ausgelegt auf eines der zentralen Prinzipien von Marco Rose, so tief wie möglich, so breit wie nötig zu spielen.

Die Fohlen hingegen veränderten ihre Grundformation im Vergleich zur Vorwoche zum 5-3-2, in welchem Koné nach Verletzung einen Platz fand, genauso wie Luca Netz, der erstmals nach der Verletzung wieder von Beginn an startete. Zudem ersetzte Nico Elvedi nach seiner Vertragsverlängerung den zuletzt schwachen Marvin Friedrich in der Innenverteidigung. Klare Idee der Fohlen war es, die Halbräume vor der Kette, die Leipzig gerne schwimmend mit den Zehnern besetzt, zu schließen.

Gladbach beginnt mutig im Anlaufen mit Erfolg

In den ersten Minuten versuchten die Fohlen die Gäste direkt auf die Außen zu lenken und vom Zentrum nach Außen zu pressen. Positiver Effekt hiervon war es immer wieder, dass im Achterraum mit Reitz oder Koné auf den Außenverteidiger rauspressen konnte, während das Zentrum dennoch doppelt gesichert werden konnte.

Auch wenn dies alleine noch keinen Ballgewinn garantiert, ist es wichtig aus dieser Grundformation zu starten, da die Borussia hierraus dann nachschob und Leipzig nicht offen in Spielrichtung drehen lies. Weigl presst so als Sechser an der Außenlinie auf Höhe des gegnerischen Sechzehners. Zudem stellt die Borussia Koné und Honorat die Optionen unter dem Ball zu und zwingt Leipzig ins individuelle Duell.

Leipzig reagiert und die Borussia ist drauf vorbereitet

Nach wenigen Minuten bereits ändert Marco Rose den Aufbau seines Teams. Während vorher ein Sechser im Aufbau auf de Halbspur abkippen durfte, sind nun beide statisch vor der Kette benötigt um die Borussia zu locken. Ähnlich wie die Fohlen in Darmstadt, agierten die Gäste nun im 4-2 Aufbau und dennoch war die Borussia dafür gewappnet. Im oberen Screenshot lässt sich das Angriffspressing der Fohlen gut erkennen. Netz und Scally schieben mutig in Pressinglinie 2 und agieren somit auf dem Sprung zwischen Halbraumzehn und Außenverteidiger von Leipzig. Reitz und Koné stellen zudem Schlager und Kampl zu und zwingen Leipzig entweder in den Druck zu spielen oder den langen Ball zu wählen, was diesen normalerweise nicht liegt, da sie ausser Sesko keinen Zielspieler haben.

Auch im MF-Pressing überzeugen die Fohlen

Klar ist, dass man einen Gegner mit der Qualität, wie sie RB Leipzig vorzuweisen hat, nicht über 90 Minuten hoch pressen kann. Das Team von Trainer Gerardo Seoane fand jedoch oft die richtige Mischung aus hohem Angriffspressing und gut organisiertem Mittelfeldpressing, wie unten zu sehen. Es lässt sich gut erkennen, wie Reitz den öffnenden Openda aufnimmt und bis zu Außenlinie begleitet, was grade auf seiner Position ein Loch entstehen lässt. Die Fohlen fangen dies in Person von Jule Weigl jedoch auf, der im Achterraum die Option Schlager zustellt. Dadurch entsteht jedoch eine Lücke im Gladbacher Sechserraum vor der Kette, welchen Koné schließt und zusätzlich im Verteidigen gegen den entgegenkommenden Simons von Itakura unterstützt wird, welcher rausschießt aus der Position. Leipzig muss abbrechen und kann nicht vertikal spielen, wodurch die Borussen Leipziger Bemühungen im Keim ersticken.

Zudem schafften es die Fohlen immer wieder, die tiefen, ballnahen Optionen zu schließen. Dies gelang durch die Halbverteidiger (hier: Wöber) und den ballnahen Achter (hier: Koné). Beide nehmen den Laufweg früh auf und verteidigen ihn, bis der Winkel für den Pass nicht mehr existent ist. Sehr gute Aufteilung und vor allem eine Konsequenz im Verbund, die die Borussen nicht immer zeigten bislang.

Dass man jedoch gegen eine solche Leipziger Mannschaft mit der Qualität nicht alles über 90 Minuten wegverteidigen kann, ist klar. Umso wichtiger ist es in diesen Phaser einen sicheren Rückhalt zu haben. Dass bei Borussia nach der Verletzung von Jonas Omlin und der Vertretung durch Moritz Nicolas, selbiger bislang nicht zum Thema wurde, ist eminent wichtig für den sportlichen Erfolg der Fohlen in den verbleibenden Spielen des Kalenderjahres.

Die Veränderung der Fohlen im Ballbesitz

Betrachtet man den ersten untenstehenden Screenshot, so wird dem aufmerksamen Borussia Xplained Leser schnell auffallen, dass die Borussia nicht alles grundlegend geändert hat. Besonders in Abwesenheit von Tomas Cvancara setzten die Fohlen häufig auf den langen Ball auf Zielspieler Jordan Siebatchieu in der ersten Hälfte. Verändert war jedoch das Anschlussverhalten durch die 3 zentralen Mittelfeldspieler. Einer der drei, in dem Beispiel Rocco Reitz fand immer im Rücken des Leipziger Gegenpressings einen guten Raum, jedoch schaffte es die Borussia danach zu selten in die tiefe Position, da einzig Honorat in Selbige startete.

Ein klares Muster führte zum Erfolg

Betrachtet man den oberen Screenshot, so fällt auf, dass die Fohlen die Halbräume schwimmend mit Koné und Reitz besetzten, um die Leipziger auseinander zu ziehen. Beim dann folgenden Ball auf den Halbverteidger Wöber bot sich Luca Netz flach an, um seinen direkten Gegenspieler Henrichs zu locken und die Tiefe hinter ihm zu öffnen. Genau diese attackierte Koné und zwang Kampl in den langen Laufweg. Durch die vorherige 3vs2 Situation mit Weigl, Koné und Reitz gegen Kampl und Schlager konnten die Gäste nicht direkt zustellen und mussten auf den Pass warten, ehe sie diesen veruchen konnten zu verteidigen. Zur Konsequenz, die zuletzt fehlte, zählte dann auch das Anschlussverhalten von Netz, der nicht etwa übergreifend, sondern invertierend überlief, wodurch er den Halbraum, welchen Kampl durch das Koné-Duell verlassen musste, öffnete.

Nachdem Luca Netz sich im 1vs2 gegen Kampl und Henrichs durchsetzen und zur Grundlinie durchbrechen konnte, war die Möglichkeit für die Fohlen groß, einen Abschluss zu generieren. Joe Scally verpasst es jedoch, entschlossen den zweiten Pfosten zu attackieren und so entsteht für die Borussia aus dieser aussichtsreichen Gelegenheit kein Torschuss.

Doch auch ein weiteres inzwischen etabliertes Muster setzte sich fort. Scally im Druck mit dem ersten Kontakt nach innen, um Jordan im Raum vor der Kette zu finden, nachdem Reitz abgekippt war und Kampl die Orientierung verlor. Auch hier fanden die Borussen via Weigl einen guten Anschluss, einzig die Anbindung im Nachgang fehlte. Honorat als einzige tiefe Option gegen Lukeba und Simakan reichte nicht.

Der eine Fehler wird gnadenlos bestraft

In Minute 75 spielt Ngoumou einen folgenschweren Fehlpass im Umschaltspiel und die Borussen werden mit einem Pass ausgehebelt. Hier zeigt sich die individuelle Qualität von Xavi Simons, der den perfekten Schnittstellenball auf Werner findet, der maximal einen Meter zwischen Wöber und Itakura Platz nutzt, um auf Nicolas zuzugehen. Dieser wird umkurvt von Werner, ist noch dran am Ball, aber kann ihn nicht entscheidend abwehren und das Ping Pong des Pfostens und Elvedis Schulter beschert Gladbach den Rückstand.

In der Folge drehen die Fohlen noch einmal auf, finden Rocco Reitz in guter Positonierung vor der Kette, der seine bis dahin vermutlich einzige Fehlentscheidung trifft, als er selbst den Abschluss sucht, anstatt Plea in der Schnittstelle zu finden. Die Parallele zum Leipziger Führungstreffer lässt sich hier mit Sicherheit darstellen, allerdings war dies nicht die einzige Option für die Fohlen zum verdienten Ausgleich zu kommen.

So bricht Nathan Ngoumou in Minute 84 im 1vs1 gegen Baumgartner bis zur Grundlinie durch. Seine Hereingabe findet Robin Hack am zweiten Pfosten, der sich hervorragend absetzt und den Kopfball nicht auf das Tor von Ex-Borusse Blaswich bringen kann. Hier wäre durchaus mehr drin gewesen.

Fazit: Mund abwischen, Schwung aus der Leistung mitnehmen

Das Ergebnis entsprach am Samstag nicht der Leistung der Fohlen, welche Leipzig bis auf 2 Gelegenheiten im Zaum hielten. Dennoch nutze Leipzig eine dieser Chancen und die Fohlen taten dies eben nicht. Anders als in den bisherigen Auftritten der Saison erspielten sich die Mannen von Gerardo Seoane jedoch aus dem Spiel Gelegenheiten, was bislang in der Saison eher selten der Fall war. Dies gepaart mit der bislang größten Gefahr via Standardsituationen sind Indikatoren, die darauf schließen lassen, dass die Borussen zeitnah punkten werden, wenn sie diese Leistung häufiger abrufen können.

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