StartAnalysenAdventskalender #20: Netz bleibt stabil

Adventskalender #20: Netz bleibt stabil

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Wenn Rocco Reitz nicht existieren würde, müsste man Luca Netz zu Borussias Überraschung der Saison erklären. Nach zwei wechselhaften Jahren, die Zweifel an seiner Tauglichkeit als Bundesliga-Außenverteidiger weckten, hat er den Durchbruch zum Stammspieler geschafft und sich individuell in vielen Bereich weiterentwickelt.

Offensiv hui, …

Dass Netz‘ Stärken in der Offensive und im Spiel mit dem Ball liegen, wissen wir schon lange. Er ist enorm effektiv bei der Kreation von Torchancen: Laut Sofascore bereitet er diese Saison 5 Großchancen direkt vor (Honorat als sein Pendant auf rechts liegt bei 9, Plea bei 3).

Quelle: FBref

Mit einem Wert von 0,34 Assists pro 90 Minuten liegt Netz zudem nur minimal hinter dem Spitzenreiter – keinem geringeren als Liverpools Trent Alexander-Arnold (0,36). Netz‘ Expected Assisted Goal-Wert liegt mit 0,19 über dem Durchschnitt. Und auch wenn er in dieser Saison noch nicht selbst getroffen hat, kann sich sein Non-Penalty xG von 0,09 verglichen mit anderen Außenverteidigern sehen lassen (Frimpong führt hier mit 0,23).

Netz‘ Passquote ist mit 80 Prozent ordentlich (zum Vergleich: Wöber liegt bei 83, Honorat nur bei 73 Prozent). Vor allem seine langen Bälle sind mit 43 Prozent für einen Verteidiger präzise. Mit einer Quote von 53 Prozent liegt er zudem nur hinter Manu Koné (65 Prozent!) in Sachen erfolgreiche Dribblings.

… defensiv hui!

Dass Netz diese Saison zu Borussias Konstanten gehört, liegt aber vor allem an seiner Weiterentwicklung im Spiel gegen den Ball.

Dem Trainerteam um Gerardo Seoane kann man nicht hoch genug anrechnen, dass es ihm zu diesem notwendigen nächsten Schritt verholfen hat: Während Netz sich letzte Saison häufig noch zu leicht in direkten Duellen überspielen ließ und wilde Entscheidungen traf, ist er nun endlich stabil. Er hat bewiesen, dass er nicht nur als Wingback, sondern auch in einer Viererkette funktionieren kann.

Mit einer Zweikampfquote von 51 Prozent reiht sich Netz in einer illustren Runde mit Weigl (56), Scally (53) und Koné (52) hinter Wöber (60) und Elvedi (61) ein. Er fällt also keinesfalls ab. Er klärt zudem 3,28 Bälle pro Spiel, womit er laut FBref deutlich über dem Durchschnitt (2,16) unter seinen Außenverteidigerkollegen liegt.

Wichtig ist (auch vor allem mit Blick auf die Probleme der letzten Jahre) die Quote der Momente, in denen Netz pro Spiel überdribbelt wird: Hier ist er mit 0,7 Situationen pro Spiel nicht schlechter als Maxi Wöber (!).

Als ungeahnte Stärke offenbaren die Daten zudem Netz‘ defensives Kopfballspiel: Einem Wert von 88 bei FBref entspricht eine Quote von 54 Prozent gewonnener Luftzweikämpfe – deutlich mehr als Honorat (43) und Scally (39) und nicht viel weniger als Wöber (58) und Elvedi (55). Hier scheint in der letzten Zeit intensiv trainiert worden zu sein, was angesichts der vielen Verlagerungen, die Gegner auf seine Seite spielen, nur Sinn macht.

Es geht noch viel mehr!

Netz ist also bei Borussia voll angekommen. Die Basics sitzen.

Dass das Potenzial darüberhinaus aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist, zeigen Szenen wie die vor dem 2:1 gegen Werder Bremen. Netz präsentierte dabei nicht nur seine Intuition im Kombinationsspiel, sondern auch seine Vielseitigkeit: Er ist nicht darauf festgelegt an der Linie zu kleben und außen am Gegner vorbeizuziehen, sondern hat alle Technik, um auch in zentrale Räume zu ziehen und von dort das Spiel zu gestalten. Netz als inverted fullback a la Zinchenko bei Arsenal – wieso denn eigentlich nicht?

Es ist uns allen deshalb zu wünschen, dass Borussias Trainerteam nicht nur Netz‘ individuelle Entwicklung weiter so entschlossen wie bisher vorantreibt, sondern auch die mannschaftstaktischen Ideen findet, die es braucht, um seine Qualitäten noch gewinnbringender einzusetzen.

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